Schrebergärten

Für eine Eishockey-Anlage in Altstetten wird eine Schrebergartenanlage beseitigt. Die NZZ berichtet darüber mit Blick auf die historischen Anfänge der Schrebergarten-Bewegung: Wie der Schrebergarten einst die städtischen Schwächlinge retten sollte.

Vermischtes in Kurzform

Das Literaturfestival auf dem Monte Verità geht in die sechste Runde, dieses Jahr unter dem Motto “Die Utopie von der Natur” und vor dem Hintergrund des “fünzigjährigen Jubiläums der 1968er Bewegung” (Quelle) Es gehe u.a. darum, “unsere schon arg entzauberte Welt, wer weiß, wieder (zu) verzaubern” (a.a.O.)
Das Börsenblatt hat noch genauere Infos zum Programmablauf.

Bei der Neuen Zürcher Zeitung gab es vor einiger Zeit noch eine kurze Besprechung des neuen Buches von Stefan Bollmann über das Leben auf dem Monte Verità.

“Luces y sombras de la contracultura: movimiento Lebensreform”

Ein Artikel in Spanisch über die Lebensreform, geschrieben von Nicolás Boullosa. Soweit mein Spanisch reicht, ist das wohl eine recht gute Kurzübersicht. Beachtlich, welche Facetten der Autor in so einen kurzen Abriß reingepackt hat.

Was war mein Leben? (H. Hesse)

kufst

Was war mein Leben, wenn es heut soll enden?
Verträumt? Verloren? Nein, es war ein Ring
Von stillen Freuden, die mit vollen Händen
Ich nahm und weitergab und neu empfing.

Es war ein Liebesbund mit dieser Erde,
Die mich mit ihrer Schönheit tief beglückt
Und immer doch mit mächtiger Gebärde
Mein Ziel hinaus ins Ewige gerückt.

Es war mit Wasser, Bergeswind und Fluren
Ein brüderlicher Bund, der niemals brach,
Mit allen Wolken, die im Blauen fuhren
Und deren Lied von unsrer Heimat sprach.

Mit ihren großen ewigen Gewalten
Hab ich in Treue Brüderschaft gehalten;
Und meine Sünde war in all den Jahren,
Daß sie mir lieber als die Menschen waren.

[Hermann Hesse, 1903]

Was bringt 2018?

Im Jahr 2015 habe ich den Camino Francés kennengelernt, 2017 kehrte ich für zwei Wochen mit meinem jüngeren Sohn zurück, um von Sarria bis Santiago und dann weiter nach Finisterre zu gehen. Pilgern ist, das schrieb ich neulich auf Facebook, für mich täglich Thema, d.h. vor allem auf Instagram, Facebook und in den Büchern, die ich lese. Aber: es wird 2018 für mich kein Thema sein. Dafür plane ich für 2019 eine erste Etappe von ca. zwei Wochen auf der Vía de la Plata (ab Sevilla nach Norden) zu pilgern. Die Vía ist mein großer Traum, aber da ich nicht wieder so “einfach” sechs Wochen aussteigen kann, muß ich – wie viele andere auch – in Etappen laufen. Wird auch gehen.

2016 durfte ich Fuerteventura anläßlich eines sehr schönen Kurzurlaubs kennenlernen. Ich habe mich in diese Insel “verliebt”, ich glaube, das kann man so sagen. Und in diesem Jahr geht es zurück auf die Kanaren, aber nach Teneriffa – und sogar für knapp zwei Wochen. Das wird herrlich, ist aber noch lange hin…

Zunächst werde ich mich im März für 10 Tage in ein Kapuzinerkloster in Tirol zurückziehen, wo Schweigeexerzitien angeboten werden. Dies beinhaltet auch eine Einführung in das kontemplative Gebet (Jesusgebet). Das ist für mich schon lange Thema, aber nun wage ich diesen “Selbstversuch” in der Hoffnung, mehr über mich und Gott zu erfahren und die Verbindung, die wir beide haben. 😉

Ansonsten bleiben die Inhalte hier gleich: alles was mit Lebensreform oder alternativem Leben im weiteren Sinne zu tun hat, paßt hier und wird – Interesse bei mir vorausgesetzt – bearbeitet.
Aktuell bin ich am Thema “intermittierendes Fasten” dran, wozu ich später etwas schreiben werde.

Vortrag: Lebensreform / Adolf Ellerbrock 12.12.

Im Martin-Buber-Haus in Heppenheim findet am 12.12.17 um 20 Uhr ein Vortrag von Dina Schleicher zum Thema Lebensreform statt.

Zitat aus der Presseankündigung:
“Heppenheim hatte mit dem Einsiedler und Höhlenmenschen Adolf Ellerbrock, einem Hamburger Architekten, seine eigene Attraktion der Lebensreform. Als „Höhlenmensch von Hambach“ lebte er mangels Baugenehmigung in einer selbst gegrabenen Höhle unter kargen Bedingungen. Durch einen Filmbeitrag der „Wochenschau“ wurde der von den Heppenheimern wenig charmant „Wurzelfresser“ genannte Ellerbrock überregional bekannt. Mit eigenen Postkarten warb er für sich und verdiente damit bei Besichtigungen seiner Person und Wohnhöhle durch neugierige Zeitgenossen ein Zubrot.”

Buch: Monte Verità (Stefan Bollmann)

Es gibt ein neues Buch über den Berg der Wahrheit, im Oktober ist es bei der Deutschen Verlagsanstalt erschienen. Laut Beschreibung auf Amazon erzählt der Autor, Stefan Bollmann, “auf der Basis neuer Quellen die Geschichten hinter den Legenden”. Es sei ein “mitreißendes Panorama der Gegenkultur, ein Fest des Lebens wie des Erzählens”. Das klingt gut, allerdings scheinen die bisherigen vier Rezensenten auf Amazon das nicht so zu teilen. Zwei davon werfen dem Autor vor, zu oberflächlich und unstrukturiert zu schreiben, quasi “fleischlose Kost” im übertragenen Sinne zu liefern. Eine Rezensentin verweist darauf, daß Mühsams “Ascona” sowie Landmanns Buch die bessere, weil besser geschriebene Wahl seien. Möglicherweise ist das auch ein typisches Merkmal des Autors, das ich in Ermangelung eigener Lektüre von ihm nicht beurteilen kann. Sein Buch über Goethe wird auf der Verlagsseite auch als “charmante wie leichtfüßige Besichtigung von Goethes Leben” bezeichnet. Vom Titel her auf eine ähnliche Bearbeitung des Themas läßt z.B. auch das Buch “Frauen, die lesen, sind gefährlich und klug” schließen.

Die taz berichtete gestern über das Buch. Dort wird hervorgehoben, daß Bollmann die Biographien der Eigentümer / Besucher gut herausarbeitet. Lediglich die Vergleiche zu späteren Subkulturen blieben etwas blutleer bzw. plakativ.

Memory of Mankind

Ich habe neulich eine Sendung geschaut, die ich üblicherweise nicht schauen würde, also so Technokrams (Planet des Wissens), aber da es um Speichermedien im “digitalen Zeitalter” ging, war ich neugierig. Immerhin kann man nicht viel falsch machen: USB-Sticks, externe Festplatten, Micro-SD-Karten – alle halten Hitze und Kälte relativ gut aus. Es kommt eben nur drauf an, die Daten redundant zu sichern und die Datenträger an verschiedenen Orten zu verwahren.

Aber … bei vielen der zum Teil sehr futuristischen Speichermethoden (DNA-basiert…) ist es mit der Lesbarkeit möglicherweise ein Problem. Selbst einen Microfilm kann man nur mit Lupe entziffern. Selbstredend kann man von USB-Sticks nichts mehr lesen, wenn Strom und Computer fehlen.

Da wurde nun ein Projekt vorgestellt, das “Memory of Mankind” (MOM) heißt: Hier werden Daten auf hochfeste Keramikkacheln gebrannt, also herkömmliche Kacheln, wie man sie aus Badezimmern kennt. Text, Bilder, alles ist gut lesbar – notfalls mit Lupe. Diese Kacheln werden im Salzbergwerk von Hallstatt in Österreich eingelagert.  Memory of Mankind weiterlesen

Adolf Just – Kehrt zur Natur zurück

Ein Schnäppchen erweitert meine Bibliothek: das im Titel genannte Buch bot vor kurzem ein Dresdner Antiquar für einen geringen zweistelligen Preis an. Im Vergleich zahlt man dafür bis zu knapp 300€!
Es handelt sich um das Hauptwerk des Lebensreformers Adolf Just, das 1903 von der “Buchhandlung Jungborn” verlegt wurde (Erstausgabe war bereits 1896; bis 1930 folgten immer wieder erweiterte Ausgaben).
Der Untertitel lautet: “Die neue, wahre naturgemäße Heil- und Lebensweise. Wasser, Licht, Luft, Erde, Früchte, wahres Christentum u.s.w.”

Just, der von 1859 bis 1936 lebte, hatte eine typische Lebensreform-Biographie: in jungen Jahren erkrankt, probierte er an sich verschiedene Naturheilverfahren aus, vertraute am Ende der heilenden Wirkung von Lößerde. In Stapelburg im Harz gründete er die Heilanstalt Jungborn, in der lt. Wikipedia Franz Kafka seine Schreibblockade überwunden haben soll.

Auch wenn Just v.a. als Vertreter der vegetarischen Rohkosternährung und der Heilerdebehandlungen bekannt ist, so geht er in seinem Buch doch auf alle Bereiche des menschlichen Lebens ein. Was Nacktheit betrifft, so scheint Just etwas prüder als manche Zeitgenossen gewesen zu sein: Nacktbaden befürwortete er nur nach Geschlechtern getrennt. Spitzer (Der deutsche Naturismus, 1983) meint dazu: “Die Geschlechtertrennung zeigt allerdings die Begrenzung auf die medizinische Wirkung und das Fehlen des erzieherischen Moments, welches den Naturismus vom nackten Baden unterscheidet.”

Den Volltext in der englischen Übersetzung gibt es hier als PDF.