Orte der Utopie (Eventi letterari)

Das Literaturfestival Eventi letterari geht im Jahr 2017 in die nächste Runde auf dem Monte Verità (6.-9. April). Das diesjährige Thema lautet: Orte der Utopie. Mehr Infos, auch zu den Gästen, findet sich auf http://eventiletterari.swiss/de/eventiletterari/home.html, einem Beitrag bei Buchmarkt sowie der Neuen Zürcher Zeitung.

Wenn es nur einmal so ganz stille wäre (Rilke)

Wenn es nur einmal so ganz stille wäre.
Wenn das Zufällige und Ungefähre
verstummte und das nachbarliche Lachen,
wenn das Geräusch, das meine Sinne machen,
mich nicht so sehr verhinderte am Wachen –

Dann könnte ich in einem tausendfachen
Gedanken bis an deinen Rand dich denken
und dich besitzen (nur ein Lächeln lang),
um dich an alles Leben zu verschenken
wie einen Dank.

[Rainer Maria Rilke]

(Gedanken dazu bei LyrikRilke.de)

Top-Evolution

„Die Abwesenheit einer Regierung, wie es die Griechen mit dem Wort Anarchie zusammenfassen, ist der letzte menschlich soziale Status (…) Würden alle genau das machen, was gemacht werden muss, um ein gutes Zusammenleben ohne Gesetzgebung zu ermöglichen, hätten wir automatisch Anarchie (sic!) und würden wir unsere Aktivitäten mit Liebe durchführen, würden wir uns Richtung christliche Anarchie begeben wie eine Top-Evolution.“

Francesco Maglione, Christliche Anarchie

Nacktheit und Selbstbewußtsein

Fund bei der „Tirolerin„, einem Mode- und Lifestylemagazin: Einer Studie des Goldsmiths Instituts (Universität London) zufolge wirke sich Nacktheit in Gegenwart anderer positiv auf das eigene Selbstbewußtsein aus. Die Studie basiert auf der Befragung von 850 Erwachsenen durch ein Team unter Leitung von Dr. Keon West. Veröffentlicht wurde die Studie im Journal of Happiness Studies.

Und siehe da, die Studie gibt es auch als PDF-Datei online. Sie trägt den Titel: „Naked and Unashamed: Investigations and Applications of the Effects of Naturist Activities on Body Image, Self-Esteem, and Life Satisfaction“

Anders leben

Wer anders leben will, oder auch nur darüber nachdenkt, empfindet eine Unzufriedenheit mit dem Status Quo. In der letzten Zeit denke ich oft darüber nach, was für mich persönlich Lebensreform jenseits ihrer historischen Dimension bedeutet. Ein Aspekt ist dabei immer wieder das „einfache Leben“, der Konsumverzicht.
Ich habe mir dazu auf Youtube zwei Dokumentarfilme angesehen, in denen alternatives Leben auf unterschiedliche Weise (mit Überschneidungen) umgesetzt wird. In „Gutes Leben – ohne Konsum?“ werden zwei Familien mit Kleinkindern porträtiert, die das Leben in einer herkömmlichen Wohnung oder gar einem ganzen Haus aufgegeben haben: Familie 1 zog in eine Jurte, Familie 2 baute sich selbst ein sogenanntes „Tiny House“ – beides Wohnmöglichkeiten mit nur einem Raum und wenigen Quadratmetern Wohnfläche. Dabei zieht Familie 2 das aus meiner Sicht bessere Los, indem sie Anschluß an ein alternatives Wohnprojekt findet, während die erstere den ursprünglichen Gutshof verlassen muß und auf einem Campingplatz als Dauercamper (mit Jurte) „landet“. Hier, wie auch im zweiten Film schaue ich mit Bauchgrummeln auf die Kinder, die den Lebensidealen ihrer Eltern „ausgeliefert“ sind (die Tochter der Familie auf dem Campingplatz: „Im Sommer kommen dann die Kinder.“). Die beiden Familien im Film haben noch keine schulpflichtigen Kinder, aber ich kann mir gut vorstellen, daß diese Kinder ähnliche Fremdkörper in der Schule sein werden wie die Kinder der Sannyasin-Gruppe in der Komödie „Sommer in Orange“. Letztlich brauche ich nur auf meine eigenen Kinder und unsere Versuche in alternativer Religion zu schauen: ich bin für mich in ein anderes Fahrwasser abgebogen, aber für die Kinder war dies schwierig. Das Fundament aus Ritualen und Gemeinschaft fiel plötzlich weg… Doch mit den gestern erhaltenen Ethiknoten (beide „sehr gut“) haben wir als Eltern wohl nicht alles falsch gemacht… 😉

Soll auch heißen: „anders leben“ als permanentes Verlassen des Ortes, an dem ich jetzt lebe, ist für mich keine Option (mehr).
(Da kommt natürlich noch die Dimension des Geldverdienens hinzu, denn das, was ein für mich angenehmer Lebensstandard ist, kann ich nur durch meine Arbeit aufrechterhalten. Soll auch heißen: dieser erste Film hat Gesellschaftsausstieg zum Thema, was aber nicht unbedingt auch lebensreformerisch sein muß, denn ohne die eigenen Ideale, die eigene Reformation auch in ihren / ihrer gesellschaftlichen Relevanz wahrzunehmen, kann es keine im historischen Sinne lebensreformerische Praxis geben. Beide Familien in diesem Film gehen Sonderwege, nehmen von der Gesellschaft, was noch paßt (Kindergeld …), stehen ansonsten aber außerhalb.) Weiterlesen

Wise Pilgrim Guides

Ich muß mal etwas Werbung machen: Pilgerführer für die Jakobswege gibt es (in Englisch) viele, „der Brierley“ hat mich 2015 begleitet und der Mini-Guide „Sarria – Santiago – Finisterre“ vom selben Autor wird im kommenden Sommer mit im Rucksack sein.

Gut haben mir die für Android wie iOS verfügbaren Apps vom „Wise Pilgrim“, die „Wise Pilgrim Guides“ gefallen. Schön finde ich die Übersichtlichkeit, die die Betonung auf Text und Symbole statt auf Fotos legt. Zusätzlich gibt es noch eine Online-Map-Funktion, die natürlich nur auf dem Camino verfügbar ist, wenn man die Datenverbindung aktiviert.

Und bald soll es den Wise Pilgrim Guide für den Camino Francés auch als gedrucktes Buch geben. Der Autor, Michael Matynka, hat eine Crowdfunding-Kampagne bei IndieGoGo erstellt, allerdings mit der Besonderheit, daß das Buch auf jeden Fall und unabhängig vom Ausgang der Kampagne gedruckt wird.

Und da mir die Guide Apps so gut gefallen, möchte ich an dieser Stelle einfach mal auf die Printversion verweisen, die es ab Mai 2017 geben soll.

Pilgern: Das Ziel und der Weg sind eins | Mystik aktuell

Lesenswerter Artikel über das Pilgern im Mystik-Aktuell-Blog. Komisch ist allerdings, daß Jerusalem nicht beim Christentum, dafür aber beim Islam und Judentum gelistet ist.

Fremdlinge oder Romwallfahrer nannte man sie, peregrinus oder pelegrinus. Seit dem 2. Jahrhundert pilgerten Menschen zu den Gräbern der frühchristlichen Apostel. Doch zuvor bereisten bereits Griech…

Quelle: Pilgern: Das Ziel und der Weg sind eins | Mystik aktuell

Abenteurer Spiritualität (2)

buch003Auch vom Tonfall her anders ist ein weiteres Buch über diese Pyrenäenregion: „Im Zeichen des Grals – Erlebnisse in Nordspanien und den Pyrenäen“ von Oliver Ritter. Der Autor, den ich vorher von seinen Arbeiten über Geschlechteridentität und -rollen her kannte (Magische Männlichkeit / Mysterium Weib), nimmt den Leser hier mit auf eine Reise zu den Gralsmythen – bei denen es, wie auch bei Terhart, ebenfalls um die Katharer geht. Ritter startete seine achtwöchige Reise auf dem nordöstlichen Teil des Jakobsweges (konkret in Roncesvalles, dem Endpunkt der ersten Etappe für die Pilger, die vom südfranzösischen St.-Jean-Pied-de-Port gestartet sind), von wo er sich mit einigen Abstechern in Richtung Norden weiterbewegt, über die Pyrenäen hinweg. Der Klappentext verspricht: „In diesem Buch verschränkt sich die Darstellung der Mysterienstätten mit Meditationen, kulturellen Betrachtungen, Schilderungen von Bergabenteuern und der Begegnung mit ungewöhnlichen Menschen.“ Weiterlesen

Abenteuer Spiritualität (1)

„Spirituelle Reiseführer“, die die „lange geheimgehaltenen“ heiligen Orte nun dem Massentourismus zugänglich machen wollen, gibt es viele. Hierüber möchte ich aber nicht schreiben, sondern vier Reiseberichte vorstellen, die nicht immer mit konkreten Ortsangaben prahlen und somit eine Mischung sind aus Erlebnisbericht und Einladung, die Region(en) selbst einmal zu besuchen. Andererseits geht es auch um wohlbekannte Orte, die nicht von Geheimhaltung, sondern der Energie von Tausenden von Besuchern „leben“.

buch004Als erstes ist da Franjo Terharts „Unentdeckte Pyrenäen – Auf alten Schäferpfaden durch das Land der Katharer“, das ich durch den eBay-Filter „Katharer“ gefunden habe. Terhart war mir als Autor von Kinder- bzw. Jugendbüchern bekannt, hier lese ich nun, daß sein Interesse auch „west-östlicher Mystik“ und dem keltischen Kulturraum gilt. Das vorliegende Buch befaßt sich mit dem südfranzösischen Raum mit Perpignan im Osten und dem Königreich Andorra im Westen. Im Norden findet sich auf der Karte vorne im Buch Carcassonne. Der Autor lernte diese Region durch einen Bekannten kennen, der sich südlich dieser bekannten Stadt im Tal der Aude ein Ferienhaus gekauft hat – abseits der Touristenströme im „Land der Katharer“. Hier trifft er Jean Maury, der angibt, aus einer alten Schäferfamilie zu stammen. Die Schäfer, die ihre Herden hoch in die Vorhügel der Pyrenäen führen, kennen die alten Wege und bewahren (im doppelten Wortsinn) somit auch Traditionen. Maury gibt z.B. an, den Fluchtweg der vier legendären Katharer zu kennen, die aus der belagerten Burg Montségur im Jahre 1244 entkommen sein sollen.  Weiterlesen