Vortrag: Lebensreform / Adolf Ellerbrock 12.12.

Im Martin-Buber-Haus in Heppenheim findet am 12.12.17 um 20 Uhr ein Vortrag von Dina Schleicher zum Thema Lebensreform statt.

Zitat aus der Presseankündigung:
“Heppenheim hatte mit dem Einsiedler und Höhlenmenschen Adolf Ellerbrock, einem Hamburger Architekten, seine eigene Attraktion der Lebensreform. Als „Höhlenmensch von Hambach“ lebte er mangels Baugenehmigung in einer selbst gegrabenen Höhle unter kargen Bedingungen. Durch einen Filmbeitrag der „Wochenschau“ wurde der von den Heppenheimern wenig charmant „Wurzelfresser“ genannte Ellerbrock überregional bekannt. Mit eigenen Postkarten warb er für sich und verdiente damit bei Besichtigungen seiner Person und Wohnhöhle durch neugierige Zeitgenossen ein Zubrot.”

Buch: Monte Verità (Stefan Bollmann)

Es gibt ein neues Buch über den Berg der Wahrheit, im Oktober ist es bei der Deutschen Verlagsanstalt erschienen. Laut Beschreibung auf Amazon erzählt der Autor, Stefan Bollmann, “auf der Basis neuer Quellen die Geschichten hinter den Legenden”. Es sei ein “mitreißendes Panorama der Gegenkultur, ein Fest des Lebens wie des Erzählens”. Das klingt gut, allerdings scheinen die bisherigen vier Rezensenten auf Amazon das nicht so zu teilen. Zwei davon werfen dem Autor vor, zu oberflächlich und unstrukturiert zu schreiben, quasi “fleischlose Kost” im übertragenen Sinne zu liefern. Eine Rezensentin verweist darauf, daß Mühsams “Ascona” sowie Landmanns Buch die bessere, weil besser geschriebene Wahl seien. Möglicherweise ist das auch ein typisches Merkmal des Autors, das ich in Ermangelung eigener Lektüre von ihm nicht beurteilen kann. Sein Buch über Goethe wird auf der Verlagsseite auch als “charmante wie leichtfüßige Besichtigung von Goethes Leben” bezeichnet. Vom Titel her auf eine ähnliche Bearbeitung des Themas läßt z.B. auch das Buch “Frauen, die lesen, sind gefährlich und klug” schließen.

Die taz berichtete gestern über das Buch. Dort wird hervorgehoben, daß Bollmann die Biographien der Eigentümer / Besucher gut herausarbeitet. Lediglich die Vergleiche zu späteren Subkulturen blieben etwas blutleer bzw. plakativ.

Memory of Mankind

Ich habe neulich eine Sendung geschaut, die ich üblicherweise nicht schauen würde, also so Technokrams (Planet des Wissens), aber da es um Speichermedien im “digitalen Zeitalter” ging, war ich neugierig. Immerhin kann man nicht viel falsch machen: USB-Sticks, externe Festplatten, Micro-SD-Karten – alle halten Hitze und Kälte relativ gut aus. Es kommt eben nur drauf an, die Daten redundant zu sichern und die Datenträger an verschiedenen Orten zu verwahren.

Aber … bei vielen der zum Teil sehr futuristischen Speichermethoden (DNA-basiert…) ist es mit der Lesbarkeit möglicherweise ein Problem. Selbst einen Microfilm kann man nur mit Lupe entziffern. Selbstredend kann man von USB-Sticks nichts mehr lesen, wenn Strom und Computer fehlen.

Da wurde nun ein Projekt vorgestellt, das “Memory of Mankind” (MOM) heißt: Hier werden Daten auf hochfeste Keramikkacheln gebrannt, also herkömmliche Kacheln, wie man sie aus Badezimmern kennt. Text, Bilder, alles ist gut lesbar – notfalls mit Lupe. Diese Kacheln werden im Salzbergwerk von Hallstatt in Österreich eingelagert.  Memory of Mankind weiterlesen

Adolf Just – Kehrt zur Natur zurück

Ein Schnäppchen erweitert meine Bibliothek: das im Titel genannte Buch bot vor kurzem ein Dresdner Antiquar für einen geringen zweistelligen Preis an. Im Vergleich zahlt man dafür bis zu knapp 300€!
Es handelt sich um das Hauptwerk des Lebensreformers Adolf Just, das 1903 von der “Buchhandlung Jungborn” verlegt wurde (Erstausgabe war bereits 1896; bis 1930 folgten immer wieder erweiterte Ausgaben).
Der Untertitel lautet: “Die neue, wahre naturgemäße Heil- und Lebensweise. Wasser, Licht, Luft, Erde, Früchte, wahres Christentum u.s.w.”

Just, der von 1859 bis 1936 lebte, hatte eine typische Lebensreform-Biographie: in jungen Jahren erkrankt, probierte er an sich verschiedene Naturheilverfahren aus, vertraute am Ende der heilenden Wirkung von Lößerde. In Stapelburg im Harz gründete er die Heilanstalt Jungborn, in der lt. Wikipedia Franz Kafka seine Schreibblockade überwunden haben soll.

Auch wenn Just v.a. als Vertreter der vegetarischen Rohkosternährung und der Heilerdebehandlungen bekannt ist, so geht er in seinem Buch doch auf alle Bereiche des menschlichen Lebens ein. Was Nacktheit betrifft, so scheint Just etwas prüder als manche Zeitgenossen gewesen zu sein: Nacktbaden befürwortete er nur nach Geschlechtern getrennt. Spitzer (Der deutsche Naturismus, 1983) meint dazu: “Die Geschlechtertrennung zeigt allerdings die Begrenzung auf die medizinische Wirkung und das Fehlen des erzieherischen Moments, welches den Naturismus vom nackten Baden unterscheidet.”

Den Volltext in der englischen Übersetzung gibt es hier als PDF.

Gedanken zu: Amon Barth – Einfach loslassen

Amon Barth hat an der Filmakademie Baden-Württemberg seinen Diplom-Film vorgelegt, der im Oktober 2017 beim Südwestrundfunk ausgestrahlt wurde. Doch der Titel “Einfach loslassen – Weniger besitzen als Lebensentwurf” ist vielleicht ein wenig irreführend, denn es geht um viel mehr als nur die Anzahl materieller Dinge, mit denen man sich umgibt.

Ausgangspunkt ist vor allem die Gefühlswelt des Regisseurs, der viele Dinge in Wohnung und Keller gehortet hat, aber auch viel innerlichen Ballast mit sich herumschleppt. Wenn er davon erzählt, wie er als Kind fast jede Woche neue Spielzeugautos bekam, oder auch von Frustkäufen berichtet, dann kann ich das sehr gut nachvollziehen: auch meine Kindheit war materiell mehr Haben als Sein. Mag sein, daß es daran liegt, daß man als Kind der späten Sechziger in eine Zeit hineinwuchs, in der die Eltern sich beruflich etabliert hatten und die gesamte Gesellschaft vom Wirtschaftswunder prosperierte. Ich habe dieses “Viel-Besitzen” nie in Frage gestellt. Erst als ich mit einer Freundin auf dem elterlichen Speicher war und sie die Kisten voller Playmobil und Lego sah – und dabei zu weinen begann, weil sie nie soviel wie ich als Einzelkind gehabt hatte, da begann ich, meine Lebenswelt in Frage zu stellen.  Gedanken zu: Amon Barth – Einfach loslassen weiterlesen

Erfurt, 6.9.17, Vortrag Dr. M. Grisko

In der Kunsthalle Erfurt spricht Dr. Grisko ab 19 Uhr zum Thema Freikörperkultur als Kassenschlager. Es geht wohl u.a. um den Film Wege zu Kraft und Schönheit.
[Quelle]

Das sündige Fleisch reloaded (K. Starke)

Gregor Gysi hatte sich bei seinem Sommerloch-Thema “FKK” auch auf den Sexualwissenschaftler Kurt Starke berufen. Der führt nun in einem Artikel für das Neue Deutschland aus, daß es natürlich nicht nur der “Pornoblick” der “Westmänner” sei, der zum Rückgang des nackten Badens geführt habe.

Nacktsein sei an sich nicht erotisch, “Erregung” stelle sich z.B. durch Fantasie ein. Toll der Satz: “Wer FKK als Stripteaseersatz betrachtet, versteht von beidem nichts oder kann Nacktheit nur anmacherisch denken.”

Der nackte Körper werde in der Marktwirtschaft ausgebeutet; Nacktheit werde “tabuisiert und gleichzeitig zur Ware”. Nacktheit werde – in verkürzter Zusammenfassung des lesenswerten Artikels – “quasi-pornographisch”.

Auch spannend: “Indem der nackte Körper in heute typischer Weise sexualisiert wird, wird die alte, religiöse Stigmatisierung des sündigen Fleisches reloadet.”

Alles gibt es hier zu lesen.

Aussstellung Hans Proppe, Trier 29.8.-26.11.17 sowie 2018

Unter der Überschrift “Der Irre von Euren” berichtet der Volksfreund kurz über den Lebensreformer Hans Proppe, der in Trier-Euren eine Künstlerkolonie gründen wollte, die mangels Mitstreiter offenbar nicht realisiert wurde.

Aus Proppes Nachlaß, einer Schenkung von in den USA lebenden Nachkommen, wird nun eine Ausstellung im Stifterkabinett gezeigt:

29. August bis 26. November 2017
16. Januar bis 25. November 2018

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr

Der pornographische Blick…

Trotz Regenwetter Sommerloch… Diese Woche ging es durch die Presse: Gregor Gysi bedauert das “Verschwinden der FKK” in Deutschland. Nachlesbar u.a. beim MDR: mit Verweis auf ein Interview, das Gysi dem … Playboy gegeben hat. Und gegenüber diesem Magazin meint Gysi, daß die “Westmänner teilweise mit einem pornografischen Blick kämen”, so daß die Frau sich nicht wohlfühlen würde. Die DDR sei in dieser Hinsicht weiter als der Westen gewesen.
(Witzig ist ja, gegenüber dem Playboy den pornographischen Blick zu beanstanden…)
Als zweiten Grund führt Gysi die Hotelkonzerne an, die nur zu Investitionen bereit gewesen seien, wenn die Nackten “verschwänden”. Gysi bescheinigt der FKK “Niveau” und daß sie “nicht wirklich erotisch” gewesen sei.

Die Morgenpost greift das Thema auf und verweist auf Prof. Konrad Weller (Hochschule Merseburg) und dessen Forschungen. Dieser habe bereits 1990 eine Umfrage unter Jugendlichen der ehemaligen DDR gemacht, bei der nur 15% angaben, mit “FKK nichts am Hut zu haben”.
Zitat: “Ein knappes Vierteljahrhundert später wiederholte die Hochschule die Befragung unter Heranwachsenden. Inzwischen haben sich die Ansichten komplett gedreht. Die meisten Jugendlichen sagen mittlerweile, es sei für sie absolut undenkbar, sich an einen Nacktbadestrand zu legen.”  Der pornographische Blick… weiterlesen

Die besten FKK-Campingplätze in Europa – Textilfreie Ferien voll im Trend

Guter Artikel über FKK-Plätze – meist in direkter Meerlage – in verschiedenen Ländern Europas. Koversada wird auch erwähnt. Ein Text von kurier.at.

Quelle: Die besten FKK-Campingplätze in Europa – Textilfreie Ferien voll im Trend