Camino Francés 2015 (1)

Erstmals berichtete ich am 5.5.14 im alten Blog über meine Absicht, mich auf den Jakobsweg zu begeben, genauer: auf die letzten ca. 800km von Südfrankreich (St.-Jean-Pied-de-Port) durch Nordwestspanien bis nach Santiago de Compostela, wo der Legende nach der Apostel Jakobus (der Ältere) bestattet sein soll. Geplant hatte ich diese Pilgerreise ab Ende 2013; ich bin nämlich jemand, dem es großen Spaß macht, Reisen lange im voraus zu planen – da kann ich richtig drin aufgehen. 🙂

Warum Camino Francés? Weil es der klassische „Hauptweg“ ist. Deshalb als erste Beschäftigung mit dem Phänomen der Jakobswege sollte am Anfang der „Klassiker“ stehen.
Warum überhaupt einen „christlichen Pilgerweg“ gehen? Nun, das erste Mal kam ich mit dem Jakobsweg oder „Camino“, wie er gern nur genannt wird, durch das Buch von Hape Kerkeling, „Ich bin dann mal weg“, in Kontakt. Als es 2006 erschien, war ich noch sehr in einer heidnischen Naturreligion aktiv, dennoch faszinierte mich schon immer das spirituell motivierte Gehen / Wandern / Pilgern als konkreter Ausdruck von Religion. Letztlich ließ ich ungefähr das Schlußviertel des Buches aus, weil mir Inhalt, Schreibstil, Kerkelings eigener Anspruch ans Pilgern nicht zusagten. Aber der Gedanke ruhte in mir.

Dann kam als nächstes ein kleines Abkommen mit meiner Familie: Ich würde ihr – konkret meinem jüngsten Sohn – 2015 weit in einer mir sehr unliebsamen Sache entgegenkommen, wofür ich mir dann eine längere „Auszeit“ im gleichen Jahr nehmen könnte. Wer hier im Blog länger mitliest weiß, daß ich seit Anfang 2013 christliche Themen (wieder) aufgenommen habe, z.B. die Katharer, die Mystik. Über das Jahr hinweg sortierte ich Alternativen für diese Auszeit aus (Alpenüberquerung, Fernwanderung in Schweden, Durchquerung der Peloponnes) – übrig blieb der Jakobsweg als etwas, das gerade jetzt gut paßt. Ich fand ein sehr schönes Zitat von Willigis Jäger (Das Leben endet nie), das auch meine Sichtweise auf den Jakobsweg spiegelt – auch wenn hier vom Wallfahrtsort die Rede ist: „Jeder Wallfahrtsort ist nichts anderes als eine Stätte, an der heilende Kräfte zum Fließen kommen. Nicht Maria oder Kannon wirken da Wunder, sondern dadurch, dass sie visualisiert oder angerufen werden, werden Energien mobilisiert, die Trost, Heilung, Beruhigung und Zuversicht bringen.“

Auch mein Alter spielte in die Überlegungen und die Motivation hinein. Der Mystiker Tauler schrieb: „Der Mensch tue, was er wolle, und fange es an, wie er wolle, er kommt niemals zu wahrem Frieden, noch wird er dem Wesen nach ein Mensch des Himmels, bevor er an sein vierzigstes Lebensjahr kommt. Bis dahin ist der Mensch mit so vielerlei beschäftigt, und die Natur treibt ihn hierhin und dorthin, und manches ist, was die Natur in ihm oft beherrscht, während man wähnt, es sei ganz und gar Gott, und er kann nicht zu wahrem, vollkommenem Frieden kommen noch ganz des Himmels werden vor jener Zeit.“
Weiter: „Dann soll der Mensch noch zehn Jahre warten, ehe ihm der Heilige Geist, der Tröster, in Wahrheit zuteil werde, der Geist, der alle Dinge lehret.“
Das paßt ja vom Alter her – und ja, ich spürte in mir diese Sehnsucht, jetzt zu Beginn der zweiten Lebenshälfte etwas besonders machen zu können.

Natürlich kamen auch Zweifel auf: würde ich die körperliche Belastung schaffen? Würde mein angeschlagenes Knie und würde mein Rücken mitspielen? Und wie wäre das mit dem Alleinsein? Ich war schon mal auf einer Hüttentour alleine unterwegs, was ich damals nicht genossen hatte, weil ich mich zu einsam gefühlt hatte. Aber wirklich alleine ist man auf dem Jakobsweg nie… Spätestens mit der Buchung des Fluges war der Schalter auf „Go!“ umgelegt.

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