Der Winter ist da

img23Heute Abend stand wieder Stocklauftraining an, also “Nordic Walking” mit Tempo und dem Ziel, die Ausdauer zu trainieren. Im Stockdunkeln zog ich mich warm an, draußen liegt Schnee. Mit den dicken Winterhandschuhen komme ich kaum in die Schlaufen der Stöcke, und der dicke Schal um den Hals läßt mich stocksteif in der Kälte stehen. Das Thermometer zeigt -8°C. Das ist ja noch gemäßigt, man darf nicht klagen.
Dann im Wald: alles ist still, eine weiße Winterlandschaft, Ruhe, die Sterne leuchten über uns, die Schuhe knirschen im Schnee, die Stöcke machen einen ganz anderen Knirschlaut, die Stirnlampe leuchtet munter 10m voraus.
Unser Atem steht vor den Mündern, das Gesicht ist eisekalt, Wasser gefriert in meinem Bart. Aber ansonsten ist es warm, ich friere nicht, genieße den Abend, sammle Kraft für die Kämpfe, die ich am Horizont für die nächsten Wochen aufziehen sehen kann.
Freiheit – ein ganz großes Wort, aber alles – auch große Worte – fängt klein an – nämlich genau dort im Dunkeln, wo wir durch den Wald laufen.
Die Gedanken gehen zurück zu den Sommertagen, an denen ich mit T-Shirt bekleidet durch den gleichen Wald lief, das dunkle Grün der Buchen als Decke wahrnahm, die mich schützt und einhüllt. Ich schwitzte, der Stoff war naß, ich lachte, holte weit aus und schritt mit noch mehr Intensität meinem Ziel entgegen.
Anders der Lauf in dunkler Winternacht: Ich bin das Leben, das über das Land geht, bin ein stückweit Wilder Jäger, ich lebe, während alles unter weißer Decke schläft oder gar stirbt. Ich trage mein Leben über den Schnee, widerstehe Kälte und Tod in weißer Einsamkeit. Ich bin Garant dafür, daß im Frühjahr neues Leben aus jeder Knospe sprießen wird. Mein federnder Schritt ist Widerstand.

Nude Visions – Ansichten vom Körper

nudevis2010 wurde an verschiedenen Orten die Ausstellung Nude Visions gezeigt:

Münchner Stadtmuseum – 27.05. – 13.09.2009
Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg – 29. Januar bis 25. April 2010
Museum der bildenden Künste Leipzig –
29. August bis 7. November 2010
WestLicht/Schauplatz für Fotografie, Wien –
14. Dezember 2010 bis 31. Januar 2011

Der Fokus lag auf der Aktphotographie mit 220 Originalaufnahmen des Münchner Stadtmuseums aus der Zeit von 1845-2005, wodurch eine Geschichte der Aktphotographie entsteht.

Beim Durchblättern des zwischenzeitlich gekauften Ausstellungskatalogs fielen mir etliche bekannte Namen auf, die mich an die Zeit Ende der 1980er bis ca. Mitte der 1990er Jahre erinnerten, als ich mich im Rahmen eines allgemeinen Interesses an der Fotografie speziell für die Aktfotografie interessierte.
Ich wußte noch, daß ich mir etliche Fotokataloge von den Künstlern gekauft hatte, die in meiner favorisierten Fotozeitschrift, Photographie (Photogaphie.de), mit Portfolios vertreten waren, z.B. Helmut Newton oder Jeanloup Sieff, auch Nan Goldins “Ballade von der sexuellen Abhängigkeit”.

buch03Doch bei einem schnellen Durchsuchen des Abstellraums fand ich nebenstehenden Band “Ansichten vom Körper” – Das Aktfoto von 1839 – 1987 von Michael Köhler (Edition Stemmle). Mit Verwunderung stellte ich fest, daß ich diese Buch “ja auch besitze” – das war mir entfallen. Es freut mich auch deshalb, weil für bestimmte Werke ziemlich viel Geld zu zahlen ist, wenn sie nicht mehr auf normalem Wege im Buchhandel erhältlich sind. Man schaue sich die horrenden Preise für den Ausstellungskatalog “Die Lebensreform. Entwürfe zur Neugestaltung von Leben und Kunst um 1900” (Ausstellung auf der Mathildenhöhe in Darmstadt) an…
Und darüber hinaus ärgert es mich heute, daß ich Bücher von Magnus Weidemann (Deutsches Baden, Körper und Tanz) und Gerhard Riebicke vor Jahren verkauft habe … Weidemanns “Deutsches Baden” kann man derzeit als Angebot für 500€ (!) in einem Antiquariat kaufen. (Hierzu Nachtrag: Weidemanns und Riebickes Bücher sind wieder in meinem Bestand, aber letztlich war es eine unnötige Doppel-Geldausgabe.)

Von daher habe ich gestern abend in Ruhe im wiedergefundenen Buch geblättert, das in 20 Kapiteln von der Daguerreotypie bis zur Aktfotografie nach 1980 reicht.
Proben meiner eigenen Bilder kann ich leider nicht online stellen, da es seinerzeit keine schriftliche Verträge gab, und ich heute keinen Kontakt mehr zu den fotografierten Frauen habe. Da ich also kein Einverständnis habe, verbietet sich dies.

Wurzeln der Umweltbewegung in der Lebensreform

Ein Artikel von Simon Meyer im Webangebot der Blauen Narzisse stellt kurz die Zusammenhänge dar: Es waren eher konservative Denker, die zu Anfang des Jahrhunderts Umweltgedanken im Rahmen der Lebensreform thematisierten. In den 1970ern jedoch erkannte man die Aktualität dieser Gedanken, was zur Gründung der Grünen führte, wobei auch hier konservative Denker mit am Start waren (Herbert Gruhl, Baldur Springmann), sich aber bei zunehmendem Linksruck der Partei “ausklinkten”.
 

 

Saison am Strand (Buch)

buch08Das “Badeleben an Nord- und Ostsee – 200 Jahre” beleuchtet dieser Ausstellungskatalog von 1986 im Sinne eines “reich illustrierten Streifzug(es) durch die Kulturgeschichte der Seebadereise.”
Die Ausstellung fand 1986 im Altonaer Museum in Hamburg vom 16.4. bis 31.8. statt, im Anschluß Mai bis Juli 87 im Hamburger Bahnhof in Berlin.

Mehrere Aufsätze leiten den Katalog ein. Sie behandeln Themen wie “Meerwasser als Medizin” oder “Landschaftsbild im Wandel”. Im Anschluß folgt das ebenfalls von kurzen Texten eingeleitete Register, das den größen Teil des Kataloges ausmacht: In einzelnen Kapiteln – und zu speziellen Stichworten – wird auf alles eingegangen, was mit der Reise zu tun hat, z.B. Reiseausrüstung, Bademoden, aber auch Strandburgenbau. So werden die heute vom Stand verschwundenen Badekarren vorgestellt (Fotos (überwiegend schwarzweiß), Zeichnungen); gleichzeitig erfährt man, wer wann den Strandkorb erfunden hat.
Es fällt auf, daß älteren Exponaten oft Bilder von 1985 gegenübergestellt werden, also aus dem Jahr, in dem die Ausstellung offensichtlich vorbereitet wurde.
“Saison am Strand” ist ein kurzweiliger Katalog zum gelegentlichen Blättern, Schmunzeln, Staunen; er ist antiquarisch erhältlich.

Edvard Munch in Warnemünde

Der Spiegel berichtet über den Rückzug des norwegischen Malers E. Munch in ein Haus an der Ostsee, wo er  durch das Malen nackter Männer für Aufruhr sorgte. Über das Munch-Haus in Warnemünde kann man sich in hier informieren. Eindrücke von Munchs Malerei kann man sich auf den Internetseiten des Munch Museet (Norwegen) holen.

Gartenstadt Hellerau (Ausstellung)

hellerauVom 16.9. bis 16.10.2010 findet im Mainzer Rathaus die Ausstellung “Gartenstadt Hellerau” statt. Zitat aus dem Flyer (pdf):

“Die Ausstellung zeigt die Geschichte und aktuelle Entwicklung von Hellerau, der ersten deutschen Gartenstadt, die die Einheit von Wohnen und Arbeit, von Kultur und Bildung, in einem von der Lebensreform geprägten Organismus zum Anspruch hat. Von der ersten Idee zur Gründung von Hellerau mit den Deutschen Werkstätten, der Gartenstadt und dem Festspielhausgelände im Jahr 1906 über die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen und nach 1945 bis hin zu den heutigen Entwicklungen eröffnet sich dem Betrachter ein breites Panorama nicht nur der Dresdner, sondern auch der sächsischen und der deutschen Kulturgeschichte des 20. und des beginnenden 21. Jahrhunderts.”

Vom Leben im Zelt

Nun habe ich zwei Wochen in einem Zelt gelebt, in dem mich nur zwei dünne Nylon-“Wände” von der Außenwelt trennten. Der Wind hat das Zelt durchgerüttelt, ist lautstark durch die Birkenkronen über ihm gefahren, der Regen – und gerade der Gewitterregen – hat mit großem Lärm auf unser Dach “geklopft”. Frische Luft wehte durch das Zelt und morgens, wenn man zum ersten Mal rauskam, stand man gleich unter dem weiten Himmel, sah nach oben, prüfte das Wetter. Das Leben im Zelt ist eine großartige Naturerfahrung, aber ich glaube auch, daß es noch mehr ist. Es verändert die Art, wie wir unsere Umwelt sehen.

Ich merke das jetzt, da ich seit Nächten schlecht im gewohnten Bett schlafe. Ich habe das Gefühl, Wände und Decke engen mich ein. Die Luft im Haus ist trotz ständig offener Fenster “abgestanden”, das merkte selbst meine Frau heute morgen an, als wir in die Küche kamen. Das massive Haus wird in meiner Empfindung zu einer Einengung. So fällt mir gerade auf, daß ich heute noch nicht draußen war. Ich weiß gar nicht, wie kühl es ist oder wie die Luft heute riecht. Im Urlaub bin ich abends müde in meinen Schlafsack gekrochen und nur kurz beim Drehen im engen Mumienschlafsack aufgewacht, aber wieder tief eingeschlafen. Hier im Bett wälze ich mich herum, höre die Geräusche von draußen, fühle mich aber doch davon getrennt.
Ich frage mich, wie die Seßhaftwerdung des Menschen im Rahmen der “neolithischen Revolution” auch das Bewußtsein von Naturnähe beeinflußt haben mag. Es hat sich ja einiges zum Negativen verändert, wie die Wikipedia-Seite zur neol. Revolution berichtet:

“Die Skelettfunde aus dem Neolithikum belegen, dass die Körpergröße der Menschen in dieser Phase deutlich abnahm, was Rückschlüsse auf ihren Ernährungsstatus zulässt. Die Lebenserwartung sank deutlich im Vergleich zum Paläolithikum. Nachweislich erkrankten wesentlich mehr Menschen als vorher, vor allem an Infektionen. Die meisten dürften durch häufigen und engen Kontakt mit Vieh nach Einführung der Viehzucht entstanden sein; innerhalb größerer Populationen vermehren sich die Erreger und sterben nicht aus wie in kleinen Gruppen. Masern sollen ihren Ursprung in der Rinderpest haben.”

Und so rankte sich das religiöse Empfinden dieser Menschen v.a. um den Tod, so daß Ina Mahlstedt in ihrem Buch “Die religiöse Welt der Jungsteinzeit” fragt: “Ist das ein Totenkult, also ein Kult, der dem Tod huldigt?” Nicht zuletzt können wir heute noch die Reste der Grabanlagen (s. Stonepages.de), die Hünengräber und Dolmen, bestaunen.

War die mittlere bzw. ältere Steinzeit, in der der Mensch vorwiegend nomadisch lebte, in dieser Hinsicht anders? Ich weiß es nicht, glaube aber doch, daß das Bedürfnis nach Schutz schon immer da war – egal, ob man sich nun in einer Höhle “verkriecht” oder sich ein Dach über dem Kopf baut. Allein das Herumkommen, das Herumschweifen in größeren Regionen, das entgeht dem Seßhaften, der sich ja intensiv um Felder und Vieh kümmern muß, ab. “Reisen bildet”, das sagen wir heute noch, es eröffnet Horizonte, auch im übertragenen Sinne. Und im übertragenen Sinne ist es dieser “Mief”, der sich in Behausungen ansammelt, der “Haus und Herr” verstauben läßt. Häuser werden Rückzugsräume, werden zu Bunkern für das Ich. Frische Luft, Weite, Horizonte, das alles läßt uns heute eine entsprechende Freizeit- bzw. Urlaubsgestaltung als Ausgleich zum Alltagsleben erfahren.

Bernstein – aber ist er echt?

Vor vielen Jahren bin ich beim Kauf eines Bernsteins auf eine Fälschung gestoßen. Das war ein aus Plastikmasse geformter “Bernstein”, der m.W. von einem Großhändler aus Polen geliefert wurde. Bei der “Drahtprobe” roch der Stein penetrant nach Plastik.
Auch an den Küsten von Fischland, Darß und Zingst kann man Bernstein finden, gerade nach stürmischen Tagen.
Die einfachste, aber auch unsicherste Probe ist die: Man schlage mit dem vermeintlichen Bernstein vorsichtig gegen einen Schneidezahn. Das sollte sich im Gegensatz zu einem richtigen Stein so in etwa wie Plastik anfühlen, das man an den Zahn schlägt.
Die sicherste Probe ist jedoch, den Bernstein mit Feuer in Kontakt zu bringen. Am besten erhitzt man eine Büroklammer, bis sie glüht, und hält sie an eine unauffällige Stelle des Bernsteins. Das kleine Rauchwölkchen, das aufsteigt, muß deutlich nach Harz riechen.
Zwei weitere Tests erfordern etwas mehr “Zutaten”: Hat man einen Wollpullover dabei, kann man ein (größeres) Stück Bernstein daran reiben. Der so “aufgeladene” Stein sollte dann kleine Papierschnipsel anziehen.
Man kann auch mit Salz und Wasser eine Salzlösung herstellen: Gibt man ausreichend Salz hinein, müßte der Bernstein schwimmen, statt unterzugehen.
In Schweden habe ich immer eine ganze Handvoll kleiner, brauner Steinchen gesammelt, mich dann ins Zelt verdrückt und alle angekokelt. Den einen oder anderen Mini-Bernstein habe ich so gefunden; der Rest war meist Seeglas.

Gerhard Riebicke

buch024Wie kaum ein anderer Name ist der Riebickes mit der Freikörperkultur verbunden. Auf der Seite von Amadelio.de (“Wir haben hier eine kleine unabhängige Ecke in dem schönen, weiten Web gegründet, wo der Geist von der Leine gelassen wird und die Meinungen unabhängig sind.”) gibt es ein Videointerview der Seitenbetreiberin, Daniela Krien, mit Bodo Niemann, Galerist / Publizist, der auch eine Riebicke-Retrospektive in Buchform herausgegeben hat.

Sehr schön darin der Satz, daß die “heutige Nichtwahrnehmung” von Riebickes Bildern dafür spreche, daß der lebensreformerische Menschentypus, der die Naturverbundenheit des urbanen Menschen wiederherstellen möchte, ausgestorben sei. So auch Niemann in seinen hörenswerten Ausführungen: das heutige Nacktbaden sei das Gegenteil von Körperbefreiung, da es ihm an einem gedanklichen Überbau fehle. Nacktbaden heute sei Körperinszenierung und ein hedonistisches Phänomen.