Deutscher Akt (Buch)

buch10Das Buch „Deutscher Akt, Nackte Körperfreude 1920-1945“ wird vom Orion-Heimreiter-Verlag herausgegeben, über den man sich unter dem Namenseintrag des Verlegers, Dietmar Munier, bei der Wikipedia informieren kann. Es ist daher mit einer gewissen Vorsicht zu betrachten. Der Bildband dokumentiert die Akt- und FKK-Fotografie der 1920er bis 1940er Jahre, wobei schon der Hinweis auf dem hinteren Einband, daß der „gewaltige Modernisierungsschub“ in der Kunst „nach 1933“ noch beschleunigt worden sei, etwas stutzig macht, denn das Jahr 1933 stand doch eher für Restriktion und Gleichschaltung. Gerade die Freikörperkulturvereine hatten bis zur offiziellen Duldung (1941) keinen leichten Stand – 1933 erließ Göring beispielsweise einen Erlaß zur „Bekämpfung der Nacktkulturbewegung“. Man lese hierzu z.B. das Kapitel „Sonnenmenschen unter der Swastika – Die FKK-Bewegung im Dritten Reich“ von Ulrich Linse in: Michael Grisko (Hrsg.): Freikörperkultur und Lebenswelt, Kassel Univ. Press 1999.

Der Einleitungstext (ohne Autorennennung) beschäftigt sich trotz der Jahresangabe „1920“ im Untertitel im Grunde vorrangig mit der Zeit des „Dritten Reiches“. Einerseits werden die Reformbewegungen aus der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts einigermaßen korrekt und in aller Kürze vorgestellt, andererseits erhält selbst dieser zweiseitige Text einige Nebenbemerkungen, die zwar nicht unbedingt falsch sein müssen, die aber in einem solchen Bildband überflüssig sind und dann doch auf die Verlegerschaft zurückverweisen. Beispiel: Nach 1945 sei die Darstellung des kraftvollen und schönen nackten Körpers abgerissen, dafür hätten die amerikanischen Besatzungssoldaten die in Umengen produzierten Pin-Up-Girls auf Fotos bzw. Posterm mitgebracht.

Viele der Fotos stammen von Kurt Reichert, Bruno Schultz oder Othmar Helwich, aber auch Riebicke und Weidemann sind vertreten – neben vielen anderen Fotografen. Von Helwich gibt es eine 1940 erschienene Schule der Aktfotografie, von Schultz z.B. den Jahresschauband „Das deutsche Lichtbild“ von 1932, von Kurt Reichert gab es 2008 im Leipziger Kamera- und Fotomuseum die Sonderausstellung „Schön und rein, Freilichtaktfotografie aus den 1930er Jahren“. Von diesem Fotografen gibt es auch noch ein dem hier vorgestellten Buch sehr ähnliches mit dem Titel „Von Leibeszucht und Leibesschönheit“ zu kaufen. „Auf die Schnelle“ habe ich zu keinem dieser Fotografen eine spezifisch nationalsozialistische Betätigung gefunden.

Der Bildband hat mit 34x25cm für mich ein als zu groß empfundenes Format – und das merkt man auch den Fotos an, auf deren Alter der Verlag im Hinblick auf die Druck- bzw. Wiedergabequalität verweist. Ich finde, etlichen Bildern hätte es gut getan, wenn sie deutlich kleiner reproduziert worden wären. Bei recht vielen Fotos muß ich das Buch schon deutlich mit ausgestreckten Armen halten, um einen angenehmen Bildeindruck zu haben. Geschätzt 90% der dargestellten Personen sind (zumeist jüngere) Frauen.
Sieht man vom politischen Hintergrund des Verlages ab, hat man eine solide Fotosammlung, die sowohl typische FKK-Strandbilder beinhaltet, wie auch Studioaufnahmen.

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