Die Frage nach Gott …

buch17… möchte der Philosoph Norbert Hoerster in seinem gleichnamigen Büchlein, erschienen in der Beckschen Reihe (2. A., 2007) beantworten.

Dabei wird Gott zunächst als der Gott der monotheistischen Religionen, insbesondere des Christentums, definiert. Er sei „das einzige, ewige, personale und körperlose, höchst vollkommene Westen, das die Welt erschaffen hat sowie erhält und lenkt“. Alle philosophischen Beweisansätze des Buches beziehen sich auf diese Gottesdefinition, das muß man beachten.

Alle anderen, z.B. polytheistischen göttlichen Wesenheiten werden nicht explizit behandelt, obwohl viele Ansätze sich auch auf diese ausweiten lassen.
Da Hoerster der Meinung ist, daß zunächst der gläubige Theist in der Situation ist, seinen Glauben zu beweisen, werden in vier Kapiteln zunächst Argumente für die Existenz Gottes gesucht. Erst das letzte Kapitel widmet sich der Theodizee, also der Frage, warum ein wie oben verstandener Gott das Übel in der Welt zuläßt. Diese Erklärung, also aktiv gegen die Existenz Gottes, wäre vom Atheisten zu leisten – nachdem sich der Theist vorab an den Beweisen aus den vier vorhergehenden Kapiteln versucht hätte.

Diese Existenzbeweise befassen sich u.a. mit folgenden Details: Offenbart sich Gott in Wundern? Kann man Gott begegnen? Ist Gott für die Moral unter den Menschen unerläßlich? Gibt Glaube dem Leben Sinn, und sagt er etwas über ein Jenseits aus? Dabei greift Hoerster auf klassische Philosophen zurück (häufig David Hume) und erklärt mit einfachen Wort deren Standpunkt oder Beweisführung. Das für philosophische Laien geschriebene Büchlein läßt sich flott lesen und hat durchaus auch amüsante Teile. Charakteristisch ist, daß Hoerster sich oft auf die Bibel oder den katholischen Katechismus stützt, wofür er nach der ersten Auflage des Werkes kritisiert wurde, da man dies als unmodern kritisierte. Doch Hoerster verweist darauf, daß diese nach wie vor gültige Basis des (kath.) Christentums seien, so steht z.B. bereits in Exodus 22,17: „Eine Hexe sollst du nicht am Leben lassen.“

Auch ein Abstecher in die katholische Sexualmoral ist sehr spannend zu lesen: Berühre ich (als Mann) eine Frau an der Brust, also an einem „weniger ehrbaren Teil“ ihres Körpers, dann ist das eine „gewöhnliche Todsünde“ – genauso wie Zungenküsse „gewöhnlich eine Todsünde“ sind. Todsünde, das heißt „Ausschluß aus dem Reiche Christi“ und – Hölle, yes! Hoerster nimmt die Quellen und die heutigen katholischen Theologen ernst, das macht das Lesevergnügen aus.

Das Fazit des Buches ist für Christen nicht wirklich erheiternd. Aber Hoerster weist auch darauf hin, daß solche philosophischen Betrachtungen über Religion für die Masse der Menschen / Gläubigen nie von Wichtigkeit waren. Ich sehe jedoch ein modernes, populärwissenschaftliches Buch wie dieses als Beitrag zur religiösen Diskussionskultur – und natürlich auch immer wieder als Prüfstein für den eigenen Glauben.

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