Dvigrad – eine kroatische Geisterstadt

dvi09Wir besuchten Dvigrad (Due Castelli) an einem der heißesten Tage unseres Kroatien-Urlaubs 2013. In der Mittagszeit waren es gut 40°C in dem alten Gemäuer nahe des Örtchens Kanfanar in Istrien.

Heute sieht man verfallene Steinmauern, die aber immer noch sehr mächtig sind, auch wenn die Natur sich das Gebiet zurückerobert. Die Stadt hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Zuerst siedelten wohl Illyrer dort, das müßte so im 5. / 4. Jhd. v.Chr. gewesen sein. Nach ihnen kamen die Römer, die zwei nebeneinanderliegende Siedlungen hatten ((Mon)Parentino und Montecastello, Duo Castra (?) genannt, daher der heutige Name Dvigrad). Die heutigen Ruinen stehen über dem einstigen Montecastello, denn das gegenüberliegende Parentino wurde im Krieg zwischen Genuesen und Venezianern Mitte des 14. Jhds. komplett geschleift.
Montecastello (das heutige Dvigrad) hingegen wurde ausgebaut, mit Wehrtürmen und Stadtmauer versehen. Im Zentrum baute man die St.-Sophia-Kirche (Basilika); in der Kirche von Kanfanar ist eine Sophien-Statue zu sehen, die in jeder Hand eine Burg hält. Ein Adliger aus Koper wurde von den Venezianern 1413 als Gouverneur eingesetzt.

Im 16. Jahrhundert wurde Dvigrad von Pest- und Malariaepidemien heimgesucht, 1615 erlebte es noch einmal Kriegswirren, 1631 wurde das Städtchen aufgegeben. Bis Mitte des 17. Jahrhunderts blieben noch wenige Familien, ab 1714 sei der Ort definitiv verlassen gewesen, sagt die Wikipedia im leider sehr knappen Text. (Mehr kann man nur erfahren, wenn man Kroatisch lesen kann. Halt, hier habe ich noch den Text einer Broschüre gefunden, die wohl vor Jahren an Besucher verteilt wurde.)
Es gibt im übrigen noch die Sage, daß der Pirat Henry Morgan im 17. Jahrhundert in Dvigrad gelebt (sich versteckt) hätte und dort noch ein großer Schatz von ihm versteckt sei, der noch nicht gefunden worden sei. (Da Morgan erst 1635 geboren wurde, muß er wohl in einer (fast) verlassenen Stadt gehaust haben …) Man beruft sich u.a. darauf, daß es in 2km-Entfernung ein Örtchen namens Mrgani gibt – ist doch klar, daß da der Name Morgan drinsteckt. 🙂

Angeblich soll man um die 200 Hausgrundrisse sowie Reste diverser Kirchen und Kapellen sehen können, de facto ist der Ort ein Gewirr aus Mauerresten. Es fehlen im Grunde Schilder, die besondere Gebäude erklären – oder gleich so eine Art Lehrpfad / Rundgang. Manchmal erkennt man deutlicher, welchen Zweck ein Haus hatte, z.B. bei dem mit dem großen Backofen, s. Bilder unten. Angeblich soll an Dvigrad im Sinne eines Touristenziels seit 1997 gearbeitet werden, davon ist jedoch m.E. kaum etwas zu sehen. Als wir da waren, wurde kein regulärer Eintritt erhoben, aber wir mußten durch eine Art Spalier junger Kroaten laufen, die uns irgendwelchen Tand anboten.
Vielleicht ist es nicht der richtige Zeitpunkt, in der Mittagshitze durch Dvigrad zu spazieren. Von einer besonderen Atmosphäre oder Stimmung nahm ich wenig wahr, vielleicht abgesehen vom zentralen Platz vor der Kirche. Dennoch ist dies ein schönes Ausflugsziel. Kinder lieben diese alten Gemäuer, auch wenn ich mir bei mancher Mauer und manchem vorspringenden Stein nicht sicher bin, wie sicher sie sind…

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