Jung & Frei & Indiziert

Wieder einmal, so scheint es, werden auf Ebay indizierte Medien angeboten – und in der Diskussion beschweren sich Ebayer, daß auf ihre Meldungen hin die Auktionen offenbar weiterlaufen, ohne daß Ebay eingreift. (Heute morgen waren die beanstandeten Auktionen beendet, es gibt aber etliche gleichwertige … auf Ebay!)

Es handelt sich um Ausgaben des Heftes Jung & Frei, das zum einen indiziert ist, zum anderen in der Diksussion als „FKK-Heft“ bezeichnet wird. Ist dem denn so? Die Wikipedia beleuchtet den Hintergrund, in Kürze: in den Heften, die von 1987 bis 1997 in Deutschland vertrieben wurden, gab es ausschließlich Fotos nackter Kinder und Jugendlicher, wobei die Bilder oft die Genitalien fokussierten und auch der Kamerawinkel in diesem Sinne ‚mithalf‘. Interessant der – unbelegte – Hinweis dort, daß die Zeitschrift in „keinem Bezug“ zur Fkk-Bewegung stand.
Anders sieht das offenbar Michi auf seinen FKK-Seiten, der die Zeitschrift eher neutral vorstellt und darauf hinweist, daß sie sich über die Jahre hinweg zu „einem recht informativen FKK-Magazin“ entwickelt habe (Reiseberichte, ‚Spielvorschläge‘ *hüstel* (die möchte ich mal lesen …)). Auch der Hinweis auf das „naturistische Leben Osteuropas“ ist mehr als vage, v.a. wenn man sich vergegenwärtigt, daß ein Großteil der im Netz frei verfügbaren Pornographie aus Rußland stammt. Da drängt sich förmlich der Gedanke auf, daß man Kinder eben dort nackt und eindeutig fotographieren kann, wo sich (noch) keiner daran stört (solange Geld im Spiel ist). Auch eine Form der Ausbeutung (des Mißbrauchs?) … Ich habe diese Diskussion auf Ebay aufgegriffen, weil ich es zum einen wichtig finde, daß das Wissen um diese indizierte Zeitschrift Verbreitung findet, aber auch, weil ich noch einmal deutlich machen möchte, daß zur Schau gestellte Genitalien – egal ob von Kindern oder Erwachsenen – mit Freikörperkultur nichts zu tun haben.

Nachtrag 2016:
Im alten Blog gab es einen kritischen Kommentar zum obigen Text. Der Autor wies darauf hin, daß der Wikipedia-Artikel tendenziös sei und sowohl Jung & Frei als auch die Schwesterzeitschrift „Sonnenfreunde Sonderhefte“ jahrelang bzw. gar Jahrzehnte frei verkäuflich waren, also nicht „unter dem Ladentisch“ gehandelt worden seien. Indizierungsanträge seien mehrfach gescheitert, weil man die Hefte nicht als pornographisch einstufen wollte, bis dann ein Antrag letztlich Erfolg hatte.
Das Argument mit der Fixierung der Genitalien könne entkräftet werden: Die Personen (Kinder) seien in voller Größe abgebildet worden, so daß sich ein Mittelpunkt auf Höhe des Bauchnabels ergebe. Der (größere) Fotograf habe eben nicht „von oben herab“ fotografiert.
Zudem seien die meisten der Bilder in der Anlage Cap D’Agde in Südfrankreich entstanden, eben nicht in Rußland.
Der Autor gab an, Zielgruppe der Hefte sei der „Fkk-Nachwuchs“ gewesen. Pädophile Personen hätten sich „damals“ noch ganz andere Sachen kaufen können.

Der Autor empfiehlt, sich die Hefte in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt selbst anzuschauen, sich selbst ein Bild zu machen.

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