Katharer im Rheinland

„The Cathars first emerged into history in 1143“, so schreibt Sean Martin über die ersten Katharer. Doch während die spätere Geschichte dieser als Ketzer verfolgten Glaubensgemeinschaft sich auf Südfrankreich und Italien konzentriert, ist eben dieses erste Auftreten mit meiner weiteren Heimat verbunden: 1143 wurden sowohl in Bonn, wie auch in Köln Häretiker bekannt, über die der Prämonstatenser Eberwin von Helfenstein (Propst des Klosters in Steinfeld) dem Zisterzienser Bernard de Clairvaux schriftlich berichtet. Die Untersuchung leitete der Kölner Erzbischof Rainald von Dassel, der z.B. herausfand, daß diese Katharer in drei Stände unterteilt waren, daß sie nicht mit Wasser, sondern durch Handauflegen tauften, daß sie Teil einer Art Untergrundbewegung seien und vieles mehr.
Von den mehreren Ketzern haben viele lt. Ausführungen von Martin der Ketzerei abgeschworen, während zwei, die als Bischof und Diakon bezeichnet werden, dies nicht taten und von einer „aufgebrachten Menge“ kurzerhand verbrannt wurden.

Die Annalen von Braunweiler bestätigen weitere Katharer in Bonn im gleichen Jahr. Auch hier ist von einer größeren Anzahl von Personen auszugehen, von denen eine Mehrheit der Ketzerei abschwor. Drei, die dies nicht taten, wurden auf Geheiß von Otto, Graf von Rheineck, verbrannt. Hier merkt Martin jedoch an, daß die Möglichkeit besteht, daß die Annalen von den Vorfällen in Köln berichten, die fälschlicherweise nach Bonn verlegt wurden.

20 Jahre später schreibt Eckbert, der Abt des Benediktinerklosters Schönau, seine Sermones contra Catharos, 13 Predigten gegen die Katharer. Bereits 1155 hatte er in Bonn gepredigt, 1163 dann in Köln, 1167 in Koblenz und in späteren Jahren in Mainz. Vorlage für die Sermones war wohl zu einem großen Teil das Werk De Genesi contro Manichaeos von Augustinus. (Hier findet sich eine Inaugural-Dissertation (als PDF-Datei) von Sara Antonietta Luisa Arnoldi mit dem Titel „Manichäismus und Bibelexegese bei Augustinus: De Genesi contra Manichaeos“.)
Der Wikipedia-Artikel schreibt Eckbert eine tragende Rolle beim Verhör der Kölner Katharer zu. Er hat das Wort „Katharer“ zum ersten Mal im deutschsprachigen Raum benutzt.

Diese Thematik ist spannend, berührt sie doch meine Heimat, bevor der Fokus in den Süden wandert. Von den Katharern im Rheinland liest man dann nichts mehr.
Ich habe im Internet gesucht, aber es gibt kaum Texte – außer kurzen Erwähnungen -, die speziell auf diese ersten Katharer eingehen.

Doch dann wurde ich fündig: Mario Kramp, Kunsthistoriker und Leiter des Kölner Stadtmuseums, hat für die in Köln erscheinende Zeitschrift „Geschichte in Köln“ 1994 einen Artikel beigesteuert, der die Überschrift trägt: „1143 und 1163: Ketzer in Köln. Der rheinische Katharismus und die Anfänge der organisierten Ketzerverfolgung durch die Katholische Kirche“
Das klingt vielversprechend! Ich habe den Artikel sogleich bei der Uni Köln bestellt.

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