Koversada – Große Liebe zu einer kleinen Insel

koversada_heftDas im Beitrag Koversada genannte Heft von Hajo Simmler habe ich mir nun antiquarisch besorgt.
Erschienen ist es wohl 1966, einer anderen Angabe zufolge 1969, zumindest fndet sich keine Jahresangabe im Heft, das aber einen Urlaub im Jahr 1965 thematisiert.
Aufgebaut ist das 48 Seiten dünne Heft aus dem Richard-Danehl-Verlag, das seinerzeit für 4,50DM verkauft wurde, in der Form, daß sich Schwarz-Weiß-Bilder und Text ergänzen. Die Umschlagseiten vorne und hinten haben ein – aus heutiger Sicht qualitativ schlecht gedrucktes – Farbbild. 

Die Fotos im Innern dieser typischen FKK-Publikation zeigen nackte Menschen bei sportlichen Aktivitäten (z.B. Schnorcheln) oder einfach posierend. Es sind mehr Frauen als Männer und Kinder abgebildet, wobei es keine „anzüglichen“ oder voyeuristischen Bilder gibt. Das im Buch von Ernst Horst öfter beschriebene Mißverhältnis zwischen Text und Bildern (im Sinne einer Betonung der Nacktfotos gegenüber einem belanglosen Text) findet sich hier nicht, denn Simmler beschreibt die Insel sachlich korrekt und zu den Bildern passend.
Der Text ist natürlich aus heutiger Sicht typischer 60er-Jahre-Stil, der öfter mal zum Schmunzeln anregt. Kostprobe zum Thema Sonnenuntergang an der Westseite der Insel: „Fröstelnde Ehefrauen müssen trotz Protesten aus den warmen Trainingsanzügen schlüpfen und als Silhouette auf spitzen Klippen balancieren. Und die Verschlüsse klicken und klicken und die fleißigen Fotografen ereben ein Protestgeschrei, wenn der nebenan in den Klippen hockende Fischbrater einige grüne Pinienzapfen in sein Feuer geworfen hat und sich daraufhin eine Qualmwolke am Ufer entlangwälzt …“

Fröstelnd im übrigen, weil SImmler einen Urlaub im Mai beschreibt in einem offenbar eher kühlen Jahr 1965 – das Meer hat wohl nur um die 17°C Temperatur.
Der Text gibt Tips zur Anreise, beschreibt die Überfahrt von der Mole in Vrsar aus mit dem Boot, denn die heutige kleine Brücke gab es noch nicht. Ein Inselrundgang beschreibt Infrastruktur und gute Zeltplätze, das Kapitel „Insulanerleben“ ist Urlaubserlebnis, Bericht übers Schnorcheln mit vielerlei kleinen Anekdoten. Der Autor ist v.a. unter Wasser zuhause, schnorchelt, angelt, harpuniert Fische. Er beschreibt das, was auch mir im letzten Urlaub passiert ist: Wenn man sich nicht zu heftig bewegt, kann man mitten in einen Fischschwarm kommen, der einen neugierig umkreist.

Historisch interessant ist noch der Hinweis auf die für Herbst 1965 geplante Erweiterung des FKK-Geländes, das zunächst nur auf die Insel Koversada beschränkt war, auf das gegenüberliegende Ufer, die Planung eines „FKK-Auto-Camps“. Schaut man sich heute Koversada und das Binnenland an, dann ist ein riesiges Areal für Tausende Touristen entstanden. Das ist der Moment, wenn man auf den eingangs erwähnten Schreibstil mit ein wenig Wehmut zurückschaut: „damals“ war Urlaub dort noch ganz anders.
Und dazu gesellt sich natürlich auch der Aspekt des Zerfalls des ehemaligen Jugoslawiens. So gesehen ist das Heft Dokument unbeschwerten Urlaubes – bevor der Krieg den jugoslawischen Staat zerriß.

Das Heft endet mit einigen Ausflugstips für Istrien. Abschließend ein Zitat von der letzten Seite:
„Mannigfaltig ist das Bild Istriens, schlicht und herb, malerisch und romantisch, erschreckend wild und steril. Denkmäler der römischen Antike und des Frühchristentums mischen sich mit den architektonischen Einflüssen Venedigs. Die Zeugnisse der Vergangenheit lassen den Mythos nicht schwinden: Er reicht von den Phöniziern über Medea und die Argonauten bis zur Welt Homers.“

Das Heft ist ein Kleinod, das ich gerne in meine Bibliothek aufgenommen habe.

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