Gartenstadt Hellerau (Ausstellung)

hellerauVom 16.9. bis 16.10.2010 findet im Mainzer Rathaus die Ausstellung “Gartenstadt Hellerau” statt. Zitat aus dem Flyer (pdf):

“Die Ausstellung zeigt die Geschichte und aktuelle Entwicklung von Hellerau, der ersten deutschen Gartenstadt, die die Einheit von Wohnen und Arbeit, von Kultur und Bildung, in einem von der Lebensreform geprägten Organismus zum Anspruch hat. Von der ersten Idee zur Gründung von Hellerau mit den Deutschen Werkstätten, der Gartenstadt und dem Festspielhausgelände im Jahr 1906 über die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen und nach 1945 bis hin zu den heutigen Entwicklungen eröffnet sich dem Betrachter ein breites Panorama nicht nur der Dresdner, sondern auch der sächsischen und der deutschen Kulturgeschichte des 20. und des beginnenden 21. Jahrhunderts.”

Vom Leben im Zelt

Nun habe ich zwei Wochen in einem Zelt gelebt, in dem mich nur zwei dünne Nylon-“Wände” von der Außenwelt trennten. Der Wind hat das Zelt durchgerüttelt, ist lautstark durch die Birkenkronen über ihm gefahren, der Regen – und gerade der Gewitterregen – hat mit großem Lärm auf unser Dach “geklopft”. Frische Luft wehte durch das Zelt und morgens, wenn man zum ersten Mal rauskam, stand man gleich unter dem weiten Himmel, sah nach oben, prüfte das Wetter. Das Leben im Zelt ist eine großartige Naturerfahrung, aber ich glaube auch, daß es noch mehr ist. Es verändert die Art, wie wir unsere Umwelt sehen.

Ich merke das jetzt, da ich seit Nächten schlecht im gewohnten Bett schlafe. Ich habe das Gefühl, Wände und Decke engen mich ein. Die Luft im Haus ist trotz ständig offener Fenster “abgestanden”, das merkte selbst meine Frau heute morgen an, als wir in die Küche kamen. Das massive Haus wird in meiner Empfindung zu einer Einengung. So fällt mir gerade auf, daß ich heute noch nicht draußen war. Ich weiß gar nicht, wie kühl es ist oder wie die Luft heute riecht. Im Urlaub bin ich abends müde in meinen Schlafsack gekrochen und nur kurz beim Drehen im engen Mumienschlafsack aufgewacht, aber wieder tief eingeschlafen. Hier im Bett wälze ich mich herum, höre die Geräusche von draußen, fühle mich aber doch davon getrennt.
Ich frage mich, wie die Seßhaftwerdung des Menschen im Rahmen der “neolithischen Revolution” auch das Bewußtsein von Naturnähe beeinflußt haben mag. Es hat sich ja einiges zum Negativen verändert, wie die Wikipedia-Seite zur neol. Revolution berichtet:

“Die Skelettfunde aus dem Neolithikum belegen, dass die Körpergröße der Menschen in dieser Phase deutlich abnahm, was Rückschlüsse auf ihren Ernährungsstatus zulässt. Die Lebenserwartung sank deutlich im Vergleich zum Paläolithikum. Nachweislich erkrankten wesentlich mehr Menschen als vorher, vor allem an Infektionen. Die meisten dürften durch häufigen und engen Kontakt mit Vieh nach Einführung der Viehzucht entstanden sein; innerhalb größerer Populationen vermehren sich die Erreger und sterben nicht aus wie in kleinen Gruppen. Masern sollen ihren Ursprung in der Rinderpest haben.”

Und so rankte sich das religiöse Empfinden dieser Menschen v.a. um den Tod, so daß Ina Mahlstedt in ihrem Buch “Die religiöse Welt der Jungsteinzeit” fragt: “Ist das ein Totenkult, also ein Kult, der dem Tod huldigt?” Nicht zuletzt können wir heute noch die Reste der Grabanlagen (s. Stonepages.de), die Hünengräber und Dolmen, bestaunen.

War die mittlere bzw. ältere Steinzeit, in der der Mensch vorwiegend nomadisch lebte, in dieser Hinsicht anders? Ich weiß es nicht, glaube aber doch, daß das Bedürfnis nach Schutz schon immer da war – egal, ob man sich nun in einer Höhle “verkriecht” oder sich ein Dach über dem Kopf baut. Allein das Herumkommen, das Herumschweifen in größeren Regionen, das entgeht dem Seßhaften, der sich ja intensiv um Felder und Vieh kümmern muß, ab. “Reisen bildet”, das sagen wir heute noch, es eröffnet Horizonte, auch im übertragenen Sinne. Und im übertragenen Sinne ist es dieser “Mief”, der sich in Behausungen ansammelt, der “Haus und Herr” verstauben läßt. Häuser werden Rückzugsräume, werden zu Bunkern für das Ich. Frische Luft, Weite, Horizonte, das alles läßt uns heute eine entsprechende Freizeit- bzw. Urlaubsgestaltung als Ausgleich zum Alltagsleben erfahren.

Kinder – Darstellungen um 1900 (Ausstellung)

Im Sprengel-Museum Hannover wird ab 29.8.10 die Ausstellung Kinder – Darstellungen um 1900 gezeigt (bis 23.1.11). Mit dabei sind auch Werke von Fidus. Zur Ausstellung erscheint auch ein Katalog, der auf der Museumsseite bestellt werden kann.

Bernstein – aber ist er echt?

Vor vielen Jahren bin ich beim Kauf eines Bernsteins auf eine Fälschung gestoßen. Das war ein aus Plastikmasse geformter “Bernstein”, der m.W. von einem Großhändler aus Polen geliefert wurde. Bei der “Drahtprobe” roch der Stein penetrant nach Plastik.
Auch an den Küsten von Fischland, Darß und Zingst kann man Bernstein finden, gerade nach stürmischen Tagen.
Die einfachste, aber auch unsicherste Probe ist die: Man schlage mit dem vermeintlichen Bernstein vorsichtig gegen einen Schneidezahn. Das sollte sich im Gegensatz zu einem richtigen Stein so in etwa wie Plastik anfühlen, das man an den Zahn schlägt.
Die sicherste Probe ist jedoch, den Bernstein mit Feuer in Kontakt zu bringen. Am besten erhitzt man eine Büroklammer, bis sie glüht, und hält sie an eine unauffällige Stelle des Bernsteins. Das kleine Rauchwölkchen, das aufsteigt, muß deutlich nach Harz riechen.
Zwei weitere Tests erfordern etwas mehr “Zutaten”: Hat man einen Wollpullover dabei, kann man ein (größeres) Stück Bernstein daran reiben. Der so “aufgeladene” Stein sollte dann kleine Papierschnipsel anziehen.
Man kann auch mit Salz und Wasser eine Salzlösung herstellen: Gibt man ausreichend Salz hinein, müßte der Bernstein schwimmen, statt unterzugehen.
In Schweden habe ich immer eine ganze Handvoll kleiner, brauner Steinchen gesammelt, mich dann ins Zelt verdrückt und alle angekokelt. Den einen oder anderen Mini-Bernstein habe ich so gefunden; der Rest war meist Seeglas.

Gerhard Riebicke

buch024Wie kaum ein anderer Name ist der Riebickes mit der Freikörperkultur verbunden. Auf der Seite von Amadelio.de (“Wir haben hier eine kleine unabhängige Ecke in dem schönen, weiten Web gegründet, wo der Geist von der Leine gelassen wird und die Meinungen unabhängig sind.”) gibt es ein Videointerview der Seitenbetreiberin, Daniela Krien, mit Bodo Niemann, Galerist / Publizist, der auch eine Riebicke-Retrospektive in Buchform herausgegeben hat.

Sehr schön darin der Satz, daß die “heutige Nichtwahrnehmung” von Riebickes Bildern dafür spreche, daß der lebensreformerische Menschentypus, der die Naturverbundenheit des urbanen Menschen wiederherstellen möchte, ausgestorben sei. So auch Niemann in seinen hörenswerten Ausführungen: das heutige Nacktbaden sei das Gegenteil von Körperbefreiung, da es ihm an einem gedanklichen Überbau fehle. Nacktbaden heute sei Körperinszenierung und ein hedonistisches Phänomen.

Baden in der Pommerschen Bucht

Die Welt mit einem Artikel über die Strände an der Pommerschen Bucht, wo sich heute Polen und Deutsche grenzübergreifend an der Ostsee erfreuen: Polnischer Bikini trifft deutsche Badekappe

Es sei besonders auf die Bilderserie (20 Bilder) hingewiesen, die die unterschiedlichen Epochen des Nacktbadens an der Ostsee aufgreift (mit dem Seitenhieb auf die ‘prüden Wessis’ wegen derer ausgeschilderte (!) Textilstrände eingerichtet werden mußten).