Paul Müller-Kaempff u. die Künstlerkolonie Ahrenshoop

buch05Künstlerkolonien gab es viele um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, so auch in Ahrenshoop im Raum Fischland-Darß an der Ostseeküste. Ingrid Schreyer stellt diese Kolonie, die vom Maler Paul Müller-Kaempff sowie anderen Künstlern gegründet wurde, in einem kleinen, querformatigen Büchlein (ungefähr DinA6) vor. Sie beginnt mit allgemeinen Worten zur (naturalistischen) Landschaftsmalerei, stellt ausführlich die Entwicklung vor, die zur Gründung der französischen Künstlerkolonie Barbizon führte, beschreibt den Umbruch zum Impressionismus, das Entstehen der Kolonie Pont-Aven in der Bretagne. Müller-Kaempff war zunächst nur zu Sommerurlauben in Ahrenshoop, erst 1892 beschließt er, ständig dort wohnen zu bleiben. Er gilt als Begründer der Kolonie, obwohl die aus Berlin stammende Malerin Eva Stort sich schon ein wenig früher dort niedergelassen hatte.

In den folgenden Jahren ließen sich weitere Künstler nieder, bauten eigene Häuser, malten tagsüber im Freien, trafen sich abends im „Krug“ (später Seezeichen) zum Essen und Gedankenaustausch. In späteren Jahren wird Ahrenshoop Seebad, die Badegäste kommen; weitere Künstler bauen sich Sommerhäuser. Um 1900 leben ca. 16 Malerinnen und Maler in Ahrenshoop, die Schreyer als „sanges- und trinkfreudige Gemeinschaft“ bezeichnet.

Ich will hier nicht auf die verschiedensten Künstler eingehen, die Frau Schreyer vorstellt, aber eine Sache muß erwähnt werden: So gut wie jede Doppelseite besteht zur Hälfte aus einem Abdruck eines Gemäldes des jeweils besprochenen Malers (mit einem Schwerpunkt auf Müller-Kaempff). Das sind insgesamt über 40 Bilder, die einen sehr guten Eindruck davon verschaffen, wie in der Künstlerkolonie Arenshoop seinerzeit gemalt wurde. Diese Gestaltung des Büchleins ist eine tolle Idee und für denjenigen (wie mich), der sich nicht so intensiv mit Malerei beschäftigt, sehr anschaulich.

Nicht zu kurz kommen auch Beschreibungen der Konflikte zwischen den Dörflern, den Künstlern und den „Großstädtern“ im Zusammenhang mit dem Bebauen des Örtchens und dem sich schnell verändernden Ortsbild. 1912 verläßt Müller-Kaempff Ahrenshoop, andererseits reisen jetzt Expressionisten an, die ebenfalls den Darß für sich entdecken. Das Interesse an der naturalistischen Malweise, so Schreyer, erlischt mit dem Ersten Weltkrieg. Danach findet im Kunstkaten noch eine Ausstellung statt, aber nur wenige Maler aus Ahrenshoop fanden Anschluß an die ‚Moderne‘, schreibt die Autorin.

Im Nachwort werden kurz aktuellere Entwicklungen skizziert, z.B. die Gründung des Förderkreises Ahrenshoop e.V. Insgesamt ist dieses Bändchen von Frau Schreyer (für 20€) sehr empfehlenswert. Ich habe es letztes Jahr am Strand von Zingst gelesen. 🙂

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