Pilger, wer ruft dich?

275Der Jakobsweg ist über und über „geschmückt“ mit Graffiti, Devotionalien usw., was von kleinen Steinen, die die Aufschrift „Noémie“ tragen, bis zu bemalten Ortschildern und in Zäune gesteckte Holzkreuze reicht. Noémie scheint ein franzöisches (französischsprachiges) Mädchen zu sein, das vermutlich an Krebs erkrankt ist / war. Ihr Name fand sich hunderte Male auf dem Weg in Spanien, doch konnte ich nichts über sie herausfinden. Ein Gedicht, dessen Autor nur mit „E.G.B.“ angegeben ist, beschäftigt die Pilger seit vielen Jahren. Meines Wissens hat auch Kerkeling davon schon berichtet – müßte ich nachlesen. Das Gedicht findet sich in Deutsch, dann aber auch in weitere Sprachen übersetzt, an einer schlichten Betonmauer vor Nájera. Ich war immer der Meinung, gelesen zu haben, es stamme von deutschen Pilgern. Dem ist aber wohl nicht so, es soll von Pfarrer Eugenio Garibay Baños aus Nájera stammen. Dann habe ich weitergesucht, denn es gibt in den Foren einige Diskussionen zum Gedicht – und auch Pilger, die sich darüber beklagen, daß es immer schwerer lesbar (weil verwittert) und zunehmend mit Graffiti beschmutzt ist. Ich fand den Originaltext auf dieser Seite, allerdings mit mindestens zwei Schreib- bzw. Übertragungsfehlern. Dort wird auch erwähnt (2011), daß das Gedicht schon ca. 20 Jahre an der Wand stehe. Den spanischen Text füge ich ganz unten in diese Seite ein.

Hier der Wortlaut (mit im Original fehlenden Satzzeichen – nur die „geplenkten“ Frage- und Ausrufezeichen habe ich korrigiert):

„Staub, Schlamm, Sonne und Regen
das ist der Weg nach Santiago.
Tausende von Pilgern
und mehr als tausend Jahre.

Wer ruft dich? Pilger
Welch‘ geheime Macht lockt dich an?
Weder ist es der Sternenhimmel      (es müßte das Sternenfeld heißen)
noch sind es die großen Kathedralen

weder die Tapferkeit Navarras
noch der Rioja-Wein
nicht die Meeresfrüchte Galiziens
und auch nicht die Felder Kastiliens.

Pilger Wer ruft dich?
Welch geheime Macht lockt dich an?
Weder sind es die Leute unterwegs
noch sind es die ländlichen Traditionen

weder Kultur und Gesichte     (es muß Geschichte heißen)
noch der Hahn Sto. Domingos
nicht der Palast von Gaudí
und auch nicht das Schloß Ponferradas.

All‘ dies sehe ich im Vorbeigehen
und dies zu sehen, ist Genuß
doch die Stimme, die mich ruft
fühle ich viel tiefer in mir.

Die Kraft, die mich voran treibt.
Die Macht, die mich anlockt,
auch ich kann sie mir nicht erklären.
Dies kann nur Er dort oben!“      (E.G.B.)

 

Das Original:

I
Polvo, barro sol y lluvia
es Camino de Santiago
Millares de peregrines
y mas de un millar de años

Peregrino, quien te llama?
Que fuerza oculta te atrae?
Ni el Campo de las Estrellas
ni las grandes catedrales

No es la bravura Navarra,
ni el vino de los riojanos
ni los mariscos gallegos
ni los campos castellanos

II
Peregrino, Quien te llama?
Que fuerza oculta te atrae?
Ni las gentes del Camino
Ni las costrumbes rurales

No es la historia y la cultura
ni el gallo de La Calzada
ni el palacio de Gaudí,
ni el Castillo Ponferrada

III
Todo lo veo al pasar,
y es un gozo verlo todo,
mas la voz que a mi me llama
la siento mucho mas hondo.

La fuerza que a mi me empuja
la fuerza que a mi me atrae,
no se explicarla ni yo
Solo el de Arriba lo sabe!

E.G.B.

Ein Gedanke zu „Pilger, wer ruft dich?“

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