Nacktheit als Widerstand?

Laut der Bietigheimer Zeitung / Südwest-Presse boomt der Nudismus in Frankreich. Ob dem wirklich so ist, mag dahingestellt sein. Nur  weil man in Paris einen Bereich für die Freikörperkultur reservieren will, was vielen Zeitungen eine Meldung wert war, boomt das noch lange nicht. Da klingt wohl eher Paris – Stadt der Liebe – usw. mit.
Andererseits stellt die o.g. Zeitung im Artikel die Vermutung auf, daß Nacktheit für junge Frauen angesichts der Burka-Diskussion ein Akt der Rebellion sein könnte. Man wolle sich nicht vorschreiben lassen, wie man sich zu verhüllen habe – und ließe daher alle Hüllen fallen. Das ist in der Tat eine interessante Sichtweise.

Versuchung

Am Rande aufgeschnappt und drüber nachgedacht, so könnte ich das formulieren. Die französische Version des Vater Unsers wird an einer Textstelle, nämlich da, wo es um Versuchung geht, abgeändert.
Da fiel mir auf, daß ich früher, als ich das Vater Unser noch betete, auch immer ein komisches Gefühl bei der Stelle “Und führe uns nicht in Versuchung” hatte, denn ich fragte mich, wieso und inwiefern mich Gott absichtlich in Versuchung führen sollte. Interessant im Rückblick, daß dies nie Thema war – ich habe ja alle katholischen Riten durchlaufen und 13 Jahre Religionsunterricht gehabt.

Jetzt ändert sich in der französischen Version folgendes: aus “Et ne nous soumets pas   la tentation” (ungefähr: Und unterwerfe / unterziehe uns nicht der Versuchung) wird “Et ne nous laisse pas entrer en tentation”, also “Und laß uns nicht in Versuchung geraten”. Der Artikel bei La Vie erklärt in nicht zu schwerem Französisch, was zu der Veränderung geführt hat. In Kürze: Es ist de facto nicht Gott, der die Menschen in Versuchung führt, sondern Menschen “versuchen” Gott, indem sie anmaßend sind, sich für Gott halten oder an Gott zweifeln. Um diese Art der Versuchung, des Zweifels, geht es.