Adolf Just – Kehrt zur Natur zurück

Ein Schnäppchen erweitert meine Bibliothek: das im Titel genannte Buch bot vor kurzem ein Dresdner Antiquar für einen geringen zweistelligen Preis an. Im Vergleich zahlt man dafür bis zu knapp 300€!
Es handelt sich um das Hauptwerk des Lebensreformers Adolf Just, das 1903 von der “Buchhandlung Jungborn” verlegt wurde (Erstausgabe war bereits 1896; bis 1930 folgten immer wieder erweiterte Ausgaben).
Der Untertitel lautet: “Die neue, wahre naturgemäße Heil- und Lebensweise. Wasser, Licht, Luft, Erde, Früchte, wahres Christentum u.s.w.”

Just, der von 1859 bis 1936 lebte, hatte eine typische Lebensreform-Biographie: in jungen Jahren erkrankt, probierte er an sich verschiedene Naturheilverfahren aus, vertraute am Ende der heilenden Wirkung von Lößerde. In Stapelburg im Harz gründete er die Heilanstalt Jungborn, in der lt. Wikipedia Franz Kafka seine Schreibblockade überwunden haben soll.

Auch wenn Just v.a. als Vertreter der vegetarischen Rohkosternährung und der Heilerdebehandlungen bekannt ist, so geht er in seinem Buch doch auf alle Bereiche des menschlichen Lebens ein. Was Nacktheit betrifft, so scheint Just etwas prüder als manche Zeitgenossen gewesen zu sein: Nacktbaden befürwortete er nur nach Geschlechtern getrennt. Spitzer (Der deutsche Naturismus, 1983) meint dazu: “Die Geschlechtertrennung zeigt allerdings die Begrenzung auf die medizinische Wirkung und das Fehlen des erzieherischen Moments, welches den Naturismus vom nackten Baden unterscheidet.”

Den Volltext in der englischen Übersetzung gibt es hier als PDF.

Nacktwandern

… ist nicht “mein Ding”, aber ich hatte bereits im alten Blog dazu kurz etwas geschrieben, weil es zum hier abgedeckten Themenbereich gehört. Seinerzeit ging es um die Eröffnung des ersten offiziellen Nacktwanderwegs in Deutschland, dem “Harzer Naturistensteig” (Mai 2010), der über 18km von Wippra nach Dankerode führt. Ein Hinweisschild am Anfang warnt bekleidete Wanderer: “Willst du keine Nackten sehen, darfst hier nicht weitergehen.”

2012 folgte in Niedersachsen der Naturistensteig Undeloh bzw. Naturistenweg Lüneburger Heide, der 16km durch die Lüneburger Heide führt. Die Nacktwanderer dürfen den ausgeschilderten Weg nicht verlassen, allerdings führt der Weg über ca. 1km gemeinsam mit normalen Wanderwegen, so daß Bekleidete auf Unbekleidete treffen können.
Mehr hat sich aber bislang nicht getan, so daß das BerlinJournal nun die Diskussion um den dritten Weg, der im Süden Berlin eröffnet werden sollte. “Sollte”, weil man aus “Angst vor den Nackten”, so die Zeitung, nicht weitergekommen sei.
Geplant war der Nacktwanderweg Trebbin, der vom Trebbiner Ortsteil Kliestow aus zum Fluß Nuthe, an diesem entlang und wieder im Bogen zurück nach Trebbin führen sollte.

Im vergangenen Jahr zeigte der MDR die Doku “Der Nackte Wahnsinn – FKK zwischen Kultur und Kommerz”, aus meiner Sicht nicht unbedingt eine der besseren Dokus. Darin kommen Einwohnter zu Wort, die sich vehement gegen den Trebbiner Wanderweg aussprechen – und der Vorwurf, die Wanderer seien “Exhibitionisten” bleibt von den Filmemachern unwidersprochen. Beim BerlinJournal kann man das genauer nachlesen – auf jeden Fall kippte nach Ausstrahlung der Doku die eigentlich positive Stimmung.
Nach wie vor ist die Idee nicht tot, selbst der CDU-Bürgermeister steht ihr wohlwollend gegenüber. Bis auf weiteres veranstaltet einer der Befürworter des Weges, Ulfert Hanschur, spezielle, bei der Polizei angemeldete Einzelwanderungen.  Zu ihm kann man noch etwas in der Berliner Zeitung lesen. Wer nach Hanschur auf Google sucht, findet zudem etliche zusätzliche Artikel zum bislang nicht zustandegekommenen Nacktwanderweg Trebbin.