Was war mein Leben? (H. Hesse)

kufst

Was war mein Leben, wenn es heut soll enden?
Verträumt? Verloren? Nein, es war ein Ring
Von stillen Freuden, die mit vollen Händen
Ich nahm und weitergab und neu empfing.

Es war ein Liebesbund mit dieser Erde,
Die mich mit ihrer Schönheit tief beglückt
Und immer doch mit mächtiger Gebärde
Mein Ziel hinaus ins Ewige gerückt.

Es war mit Wasser, Bergeswind und Fluren
Ein brüderlicher Bund, der niemals brach,
Mit allen Wolken, die im Blauen fuhren
Und deren Lied von unsrer Heimat sprach.

Mit ihren großen ewigen Gewalten
Hab ich in Treue Brüderschaft gehalten;
Und meine Sünde war in all den Jahren,
Daß sie mir lieber als die Menschen waren.

[Hermann Hesse, 1903]

Doku: Sanatorium Europa

Die Lebensreform hat derzeit eine höhere Präsenz in den Medien als üblich. Das kommt zum einen durch den gestern vorgestellten (und bei Arte ausgestrahlten) Film Sanatorium Europa, zum anderen durch die Neuerscheinung der FKK-Bildbandes Nackedeis 2.

Auch der Spiegel widmet der Doku nun einen Artikel, in dem v.a. auf Hermann Hesse und Thomas Mann eingegangen wird. Das Literaturhaus Rostock bietet übrigens eine Liste mit weiterführender Literatur zur Doku als PDF-Datei.
Ich habe die Doku selbst noch nicht gesehen, werde wohl auch erst nach meinem Urlaub (nächste Woche geht es wieder auf den Jakobsweg) dazu kommen.

Die Ostthüringer Zeitung bewirbt kurz das Buch Nackedei 2.

Sich frei machen, um frei zu leben

Der Tagesspiegel mit einem guten Artikel zur Geschichte der Lebensreform.

Ihren Anführer verspottete man als Kohlrabijünger und Barfußprophet: Auf dem Monte Verità begann um 1900 die Lebensreformbewegung. Heute feiern ihre Ideen eine Renaissance.

Quelle: Sich frei machen, um frei zu leben

Urlaubsnachlese

Hermann Hesse als Romanfigur
2016-10-24-08-51-55Die Münchner Abendzeitung über die Romane “Immer nach Hause” (Lang) und “Das Sonnenfest” (Prange) – der Monte Verità dabei als “Haupt- und Nebenschauplatz”.

Wenn Dichter baden gehen
Die Schwäbische über Dichter, Meer, Badefreuden, Inspiration

Nacktheit als Ausdruck grenzenloser Freiheit
Die Rheinische Post über Nacktheit in Verbindung mit Nichtstun / Abschalten, aber auch in der Interpretation als Schutzlosigkeit, als Negation der Selbstdarstellung durch Modekleidung.

Touristisch, touristischer, Ascona
Die Tageswoche über die “Hochburg gut situierter Deutschschweizer”, über die Wahl zwischen kostenlosem Bad und solchem mit Eintritt und überhaupt die Veränderungen, die der Ort – letztlich auch durch die Bekanntheit des Monte Verità – durchgemacht hat.

Lebensreform auf dem Zürichberg
Der Google Alert “Lebensreform” verweist auf ein vermutlich neues Projekt, obgleich die Webseite jetzt nicht angezeigt werden kann. Es geht um den Zürichberg als “Ort der Lebensreform”.

Meine erste FKK-Erfahrung war nicht sehr anziehend
Nicht meine Zeitungswelt – und im Grunde nicht empfehlenswert der Artikel. Wenn ich schon die Kategorisierung “Bereich: Erotik, Themen: FKK” lese, würgt es mich. Das Abschlußzitat des Textes: “Ich mag es aber auch nicht, wenn andere Männer auf die nackten Brüste und den entblößten Intimbereich meiner Partnerin starren.”
Kurz und gut: der Autor hätte besser den Schnabel gehalten, als so einen Unfug zu posten.

Sylt: Buhne 16 unter Top Ten der FKK-Strände
… das schreibt die Sylter Rundschau unter Berufung auf das Reiseportal Lastminute.de. Das sei ein “kultiger und medial geprägter Sehnsuchtsort für deutsche Urlauber”.

Manchmal (H. Hesse)

001Manchmal scheint uns alles falsch und traurig,
Wenn wir schwach und müd in Schmerzen liegen,
Jede Regung will zur Trauer werden,
Jede Freude hat gebrochne Flügel,
Und wir lauschen sehnlich in die Weiten
Ob von dorther neue Freude käme.

Aber keine Freude kommt, kein Schicksal
Je von außen uns. Ins eigene Wesen
Müssen wir, vorsichtige Gärtner, lauschen,
Bis von dort mit Blumenangesichtern
Neue Freuden wachsen, neue Kräfte.

[Manchmal, Hermann Hesse]

Nicht nur die Harten kommen in den Garten (WELT)

Lesenswerter Artikel über Hesse, dessen Haus in Gaienhofen am Bodensee sowie Hesses Verbindungen zur Lebensreform. Zitat:

“1904 kamen Hermann und Mia Hesse – frischverheiratet – nach Gaienhofen. Sie kehrten der Stadt Basel ganz bewusst den Rücken, um nach den Idealen der Lebensreform zu leben. Die Experten streiten sich bis heute, ob diese Bewegung eher progressiv und modern war oder ob sie letztlich nicht eher spießig und reaktionär gewesen ist. Sicher ist nur: Sie hat das Vollkornbrot und den Vegetarismus, das Müsli und die Margarine, die Gartenstadt und den Komposthaufen erfunden.”

via Nicht nur die Harten kommen in den Garten – Nachrichten Print – WELT AM SONNTAG – Kultur – WELT ONLINE.