Abenteuer Spiritualität (2)

buch003Auch vom Tonfall her anders ist ein weiteres Buch über diese Pyrenäenregion: “Im Zeichen des Grals – Erlebnisse in Nordspanien und den Pyrenäen” von Oliver Ritter. Der Autor, den ich vorher von seinen Arbeiten über Geschlechteridentität und -rollen her kannte (Magische Männlichkeit / Mysterium Weib), nimmt den Leser hier mit auf eine Reise zu den Gralsmythen – bei denen es, wie auch bei Terhart, ebenfalls um die Katharer geht. Ritter startete seine achtwöchige Reise auf dem nordöstlichen Teil des Jakobsweges (konkret in Roncesvalles, dem Endpunkt der ersten Etappe für die Pilger, die vom südfranzösischen St.-Jean-Pied-de-Port gestartet sind), von wo er sich mit einigen Abstechern in Richtung Norden weiterbewegt, über die Pyrenäen hinweg. Der Klappentext verspricht: “In diesem Buch verschränkt sich die Darstellung der Mysterienstätten mit Meditationen, kulturellen Betrachtungen, Schilderungen von Bergabenteuern und der Begegnung mit ungewöhnlichen Menschen.” Abenteuer Spiritualität (2) weiterlesen

Abenteuer Spiritualität (1)

“Spirituelle Reiseführer”, die die “lange geheimgehaltenen” heiligen Orte nun dem Massentourismus zugänglich machen wollen, gibt es viele. Hierüber möchte ich aber nicht schreiben, sondern vier Reiseberichte vorstellen, die nicht immer mit konkreten Ortsangaben prahlen und somit eine Mischung sind aus Erlebnisbericht und Einladung, die Region(en) selbst einmal zu besuchen. Andererseits geht es auch um wohlbekannte Orte, die nicht von Geheimhaltung, sondern der Energie von Tausenden von Besuchern “leben”.

buch004Als erstes ist da Franjo Terharts “Unentdeckte Pyrenäen – Auf alten Schäferpfaden durch das Land der Katharer”, das ich durch den eBay-Filter “Katharer” gefunden habe. Terhart war mir als Autor von Kinder- bzw. Jugendbüchern bekannt, hier lese ich nun, daß sein Interesse auch “west-östlicher Mystik” und dem keltischen Kulturraum gilt. Das vorliegende Buch befaßt sich mit dem südfranzösischen Raum mit Perpignan im Osten und dem Königreich Andorra im Westen. Im Norden findet sich auf der Karte vorne im Buch Carcassonne. Der Autor lernte diese Region durch einen Bekannten kennen, der sich südlich dieser bekannten Stadt im Tal der Aude ein Ferienhaus gekauft hat – abseits der Touristenströme im “Land der Katharer”. Hier trifft er Jean Maury, der angibt, aus einer alten Schäferfamilie zu stammen. Die Schäfer, die ihre Herden hoch in die Vorhügel der Pyrenäen führen, kennen die alten Wege und bewahren (im doppelten Wortsinn) somit auch Traditionen. Maury gibt z.B. an, den Fluchtweg der vier legendären Katharer zu kennen, die aus der belagerten Burg Montségur im Jahre 1244 entkommen sein sollen.  Abenteuer Spiritualität (1) weiterlesen

Katharer im Rheinland

“The Cathars first emerged into history in 1143”, so schreibt Sean Martin über die ersten Katharer. Doch während die spätere Geschichte dieser als Ketzer verfolgten Glaubensgemeinschaft sich auf Südfrankreich und Italien konzentriert, ist eben dieses erste Auftreten mit meiner weiteren Heimat verbunden: 1143 wurden sowohl in Bonn, wie auch in Köln Häretiker bekannt, über die der Prämonstatenser Eberwin von Helfenstein (Propst des Klosters in Steinfeld) dem Zisterzienser Bernard de Clairvaux schriftlich berichtet. Die Untersuchung leitete der Kölner Erzbischof Rainald von Dassel, der z.B. herausfand, daß diese Katharer in drei Stände unterteilt waren, daß sie nicht mit Wasser, sondern durch Handauflegen tauften, daß sie Teil einer Art Untergrundbewegung seien und vieles mehr.
Von den mehreren Ketzern haben viele lt. Ausführungen von Martin der Ketzerei abgeschworen, während zwei, die als Bischof und Diakon bezeichnet werden, dies nicht taten und von einer “aufgebrachten Menge” kurzerhand verbrannt wurden. Katharer im Rheinland weiterlesen

Die eine Wahrheit

Kurze Vorab-Erläuterung (2016): Ab Anfang 2013 tauchten vermehrt religiöse Themen in meinem alten Blog auf. Grund war eine damals noch sehr vorsichtige Rück- oder Umkehr, die zur Beschäftigung mit dem Thema Christentum führte. Los ging es mit den Katharern, dem Thema Gnosis, dann zur Mystik wechselnd. Der hier nun angeführte Text war der erste, der das thematisierte (Februar 2013):

Die Beschäftigung mit den Katharern, von der katholischen Kirche als Ketzer verfolgte “Urchristen” (vereinfacht), macht mich nachdenklich. Ich merke, wieviel meiner eigenen christlichen Erziehung noch immer in mir ist: nicht als “nicht abwaschbarer Schmutz”, sondern als Fundament. Jahrelang habe ich das verdrängt, ja ich glaube, verdrängt ist das richtige Wort. Ich weiß noch, wie es mich vor Jahren in einer bestimmten Situation “überkam” und ich aufrichtig ein Ave Maria betete – und mich im Anschluß unsinnigerweise dafür schämte. Unverhohlen war ich schon immer ein Bewunderer von Kurt Reubers Madonna von Stalingrad, das nur am Rande. Die eine Wahrheit weiterlesen

Die Katharer (Borst)

borst_kathNeue Lektüre ist eingetroffen, so daß ich die kommenden Abende gut ausfüllen kann. Diesmal ist es das deutschsprachige Standardwerk über die Katharer von Arno Borst. Es stammt ursprünglich aus dem Jahre 1953, liegt mir jetzt in einer 2012er Ausgabe des Karolinger-Verlages vor, die zwei Besonderheiten bietet: Ein Nachwort von Alexander Patschovsky aus dem Jahre 1991 sowie ein ganz aktuelles Nachwort von Gerhard Rottenwöhrer aus 2012. Der Stand der Wissenschaft ist natürlich z.T. über den von Borst vom Anfang der 50er Jahre hinweggegangen, so daß die Hinweise aus diesen Nachworten sehr wertvoll sein können.

In Écritures cathares von René Nelli, konkret dem Vorwort von Anne Brenon zur Auflage von 2011, kann man z.B. lesen, daß Nelli u.a. die Borstsche Auffassung von einem krassen Gegensatz in der dualistischen Vorstellung von Gottheit, die im übrigen nicht nur für Borst kennzeichnend war, sondern auch für viele andere Forscher, die sich untereinander zitierten, als zu schematisch entlarven konnte. Statt gemäßigte Dualisten (les monarchiens / mitigé) versus absolute (les dyarchiens / absolus) zu beschreiben, hat sich Nelli auf die Vorstellung vom “Bösen” konzentriert und diese in eigenen Werken, z.B. La Philosophie du catharisme (1975), behandelt.
Der Theologe Rottenwöhrer hat selbst 2007 ein Buch über die Katharer veröffentlicht, so daß ich glaube, seine und Patschovskys Nachworte werden das Buch von Borst sehr bereichern. Ich beginne auf jeden Fall mit diesen beiden Texten, bevor ich das eigentliche Werk lese.

Katharer

Ich kann nicht mehr genau sagen, wie genau ich Anfang 2013 zu den Katharer (wieder zu den Katharer) kam, aber plötzlich war das Thema da – mitsamt einem ‘revival’ des Themenbereichs Gnosis / Mystik und einer (Rück-)Annäherung an das Christentum.
Hier mein damaliger (2016 überarbeiteter) Artikel:  Katharer weiterlesen