Monte Verità – Aussteigerkolonie

Corina Kolbe im Spiegel mit einer recht gelungenen Kurzvorstellung dessen, was man mit dem Monte Verità verbindet.

Kühne Thesen – Ein Sammelband zu den Beziehungen zwischen Lebensreform und deutscher Literatur um 1900 : literaturkritik.de

Kühne ThesenEin Sammelband zu den Beziehungen zwischen Lebensreform und deutscher Literatur um 1900

Quelle: Kühne Thesen – Ein Sammelband zu den Beziehungen zwischen Lebensreform und deutscher Literatur um 1900 : literaturkritik.de

Anders leben

Wer anders leben will, oder auch nur darüber nachdenkt, empfindet eine Unzufriedenheit mit dem Status Quo. In der letzten Zeit denke ich oft darüber nach, was für mich persönlich Lebensreform jenseits ihrer historischen Dimension bedeutet. Ein Aspekt ist dabei immer wieder das „einfache Leben“, der Konsumverzicht.
Ich habe mir dazu auf Youtube zwei Dokumentarfilme angesehen, in denen alternatives Leben auf unterschiedliche Weise (mit Überschneidungen) umgesetzt wird. Im zwischenzeitlich (Jan. 2018) gelöschten Video “Gutes Leben – ohne Konsum?” werden zwei Familien mit Kleinkindern porträtiert, die das Leben in einer herkömmlichen Wohnung oder gar einem ganzen Haus aufgegeben haben: Familie 1 zog in eine Jurte, Familie 2 baute sich selbst ein sogenanntes „Tiny House“ – beides Wohnmöglichkeiten mit nur einem Raum und wenigen Quadratmetern Wohnfläche. Dabei zieht Familie 2 das aus meiner Sicht bessere Los, indem sie Anschluß an ein alternatives Wohnprojekt findet, während die erstere den ursprünglichen Gutshof verlassen muß und auf einem Campingplatz als Dauercamper (mit Jurte) „landet“. Hier, wie auch im zweiten Film schaue ich mit Bauchgrummeln auf die Kinder, die den Lebensidealen ihrer Eltern „ausgeliefert“ sind (die Tochter der Familie auf dem Campingplatz: “Im Sommer kommen dann die Kinder.”). Die beiden Familien im Film haben noch keine schulpflichtigen Kinder, aber ich kann mir gut vorstellen, daß diese Kinder ähnliche Fremdkörper in der Schule sein werden wie die Kinder der Sannyasin-Gruppe in der Komödie „Sommer in Orange“. Letztlich brauche ich nur auf meine eigenen Kinder und unsere Versuche in alternativer Religion zu schauen: ich bin für mich in ein anderes Fahrwasser abgebogen, aber für die Kinder war dies schwierig. Das Fundament aus Ritualen und Gemeinschaft fiel plötzlich weg… Doch mit den gestern erhaltenen Ethiknoten (beide “sehr gut”) haben wir als Eltern wohl nicht alles falsch gemacht… 😉

Soll auch heißen: “anders leben” als permanentes Verlassen des Ortes, an dem ich jetzt lebe, ist für mich keine Option (mehr).
(Da kommt natürlich noch die Dimension des Geldverdienens hinzu, denn das, was ein für mich angenehmer Lebensstandard ist, kann ich nur durch meine Arbeit aufrechterhalten. Soll auch heißen: dieser erste Film hat Gesellschaftsausstieg zum Thema, was aber nicht unbedingt auch lebensreformerisch sein muß, denn ohne die eigenen Ideale, die eigene Reformation auch in ihren / ihrer gesellschaftlichen Relevanz wahrzunehmen, kann es keine im historischen Sinne lebensreformerische Praxis geben. Beide Familien in diesem Film gehen Sonderwege, nehmen von der Gesellschaft, was noch paßt (Kindergeld …), stehen ansonsten aber außerhalb.) Anders leben weiterlesen

Karl Rohm

Susanne Lange-Greve hat ein Buch über den Verleger und Lebensreformer Karl Rohm (Wikipedia) geschrieben, das sie lt. Schwäbischer Post am 31.1.17 im Bürgerhaus Schillerschule vorstellen wird.

Weihnachtsgeschenke

Zwei Neuzugänge kann meine Bibliothek verzeichnen: Besonders gefreut habe ich mich auf das Buch “Die Literatur der Lebensreform”.

Leuchtender Menschheitsmorgen

Die neue Ausstellung “Gegen Sumpf und Fäulnis – leuchtender Menschheitsmorgen” kann ab sofort auf Burg Ludwigstein (Archiv der Deutschen Jugendbewegung) besucht werden. Konzipiert wurde sie von Felix Linzner und mit Archivleiterin Dr. Rappe-Weber umgesetzt.

Gezeigt werden Bezugspunkte zwischen Jugendbewegung und Lebensreform. Der Beschreibung nach scheint man einen guten und grundsätzlichen Einblick in die Themenbereiche der Lebensreform zu bekommen.

Die Ausstellung kann Mo. – Fr. jeweils vormittags nach Anmeldung besucht werden.

Magazin und Tagung

Zwei kurze Hinweise:

Da ist zum einen das Magazin “Maas – Impulse für ein erfülltes Leben”, interessanterweise mit dem Nachnamen der Inhaberin des “animaa-Verlages” betitelt. Man möchte Aktionen, Projekte, Menschen vorstellen, die “Mut machen” und inspirieren. Es geht um das Leben in Harmonie mit der Umwelt und um positive Veränderungen.
Die ersten drei erschienenen Ausgaben haben die Titelthemen “Beruf und Berufung”, “Frauen und Männer”, “Leben und Sterben”.  Im Dezember geht es mit “Individuum und Gemeinschaft” weiter. Auf “OpenPR” findet sich noch ein längerer Werbetext, daraus dieses kurze Zitat:
“maas ist ganzheitlich und ökologisch ausgerichtet, konsumkritisch und lebt intensiv den Gedanken der Stärkung durch Vernetzung. Maas fördert Menschen und Projekte und ist prall gefüllt mit Wissen, Inspirationen und Mut-Mach-Geschichten. maas findet bewegende Perlen und Helden/Heldinnen des Lebens und des Alltags. maas ist Lesegenuss für viele, viele Stunden.”

Zum anderen ist das die hier vor längerer Zeit schon einmal erwähnte Tagung des Archivs der Deutschen Jugendbewegung (Burg Ludwigstein), vom 21. bis 23. Oktober 2016, auf die Susanne Rappe-Weber in einem Artikel bei H/Soz/Kult hinweist. Die Tagung steht unter dem Motto:
Avantgarden der Biopolitik. Jugendbewegung, Lebensreform und Strategien biologischer ‘Aufrüstung'”.

Rappe-Weber stellt das Thema kurz vor (19. Jhd., Angst vor Degeneration – sowohl des eigenen Körpers, als auch des Volkes, daher ‘Aufrüstung’, um ‘stark, gesund und rassisch rein’ zu bleiben), gefolgt vom Tagungsprogramm.

Nackedeis in Wald und Wiese

Lebensreform: Die kann man sich gut vorstellen am Starnberger See mit den schicken Privatkliniken bis hinunter zur Lauterbacher Mühle. Oder in den Liegenstühlen im Schatten des Buchheim-Museumsparks. Dort präsentiert man derzeit Kunst und Lebensläufe der Brücke-Künstler und das neue Lebensgefühl bürgerlicher Kreise: ein bisschen Öko, freien Sex, FKK und Wandervogel. All das hat jetzt Kurator Kai Schupke auf einen bisher unbeachteten Nenner gebracht, über dem „Hippies um 1900“ stehen könnte – in Wirklichkeit heißt die Ausstellung Brücke und die Lebensreform.

Quelle: Nackedeis in Wald und Wiese

Urlaubsnachlese

Hermann Hesse als Romanfigur
2016-10-24-08-51-55Die Münchner Abendzeitung über die Romane “Immer nach Hause” (Lang) und “Das Sonnenfest” (Prange) – der Monte Verità dabei als “Haupt- und Nebenschauplatz”.

Wenn Dichter baden gehen
Die Schwäbische über Dichter, Meer, Badefreuden, Inspiration

Nacktheit als Ausdruck grenzenloser Freiheit
Die Rheinische Post über Nacktheit in Verbindung mit Nichtstun / Abschalten, aber auch in der Interpretation als Schutzlosigkeit, als Negation der Selbstdarstellung durch Modekleidung.

Touristisch, touristischer, Ascona
Die Tageswoche über die “Hochburg gut situierter Deutschschweizer”, über die Wahl zwischen kostenlosem Bad und solchem mit Eintritt und überhaupt die Veränderungen, die der Ort – letztlich auch durch die Bekanntheit des Monte Verità – durchgemacht hat.

Lebensreform auf dem Zürichberg
Der Google Alert “Lebensreform” verweist auf ein vermutlich neues Projekt, obgleich die Webseite jetzt nicht angezeigt werden kann. Es geht um den Zürichberg als “Ort der Lebensreform”.

Meine erste FKK-Erfahrung war nicht sehr anziehend
Nicht meine Zeitungswelt – und im Grunde nicht empfehlenswert der Artikel. Wenn ich schon die Kategorisierung “Bereich: Erotik, Themen: FKK” lese, würgt es mich. Das Abschlußzitat des Textes: “Ich mag es aber auch nicht, wenn andere Männer auf die nackten Brüste und den entblößten Intimbereich meiner Partnerin starren.”
Kurz und gut: der Autor hätte besser den Schnabel gehalten, als so einen Unfug zu posten.

Sylt: Buhne 16 unter Top Ten der FKK-Strände
… das schreibt die Sylter Rundschau unter Berufung auf das Reiseportal Lastminute.de. Das sei ein “kultiger und medial geprägter Sehnsuchtsort für deutsche Urlauber”.