Die jungen Leute werden prüder…

sagt Jan Lorenzen, Angestellter im Bereich des Strandes St. Peter-Ording. Die SHZ stellt FKK am dortigen Strand in Interview-Auszügen von Badegästen vor. Während angezogene Personen, die sich an den FKK-Strand “verirrt” hatten, früher wohl verscheucht wurden, ist es heute üblich, daß auch im FKK-Bereich Menschen mit Badekleidung sind.

Warum werden die jungen Leute prüder? Hmm, ich will mal ohne Namensnennung von einem Sportverein erzählen, in dem die jungen Sportler sich nicht trauen, nackt zu duschen. Warum das so ist, wann das angefangen hat, weiß ich nicht. Man duscht in Unterhose. Vermutlich hätten die Trainer früher dann gesagt: “Jungs, was ist das hier für ein Weicheierkram?! Hosen aus, sonst kann man sich sein bestes Stück nicht richtig waschen…” Heute, so ein Trainer vor einiger Zeit zu mir, könne man das nicht mehr so einfach sagen – vor dem Hintergrund der Diskussionen / Meldungen zum sexuellen Mißbrauch. Wie schnell könnten Situationen entstehen, die die Eltern später aus den Berichten der Kinder falsch interpretierten…
Ob das der einzige Grund ist, das weiß ich nicht, aber Fakt ist, die Jungs duschen mit Slips.

Interessant ist diese Entwicklung vor dem Hintergrund all der Nacktheit, denen unsere Kinder in Medien, speziell dem Internet, ausgesetzt sind. “Viel Haut zeigen” ist ja völlig normal. Möglicherweise aber ist diese “Haut” ständig erotisch konnotiert, also keine reine Nacktheit, sondern auf erotischen Reizen basierende Werbung / Präsentation. Das wiederum ist ab einem bestimmten Alter “peinlich” oder aber, das wäre die fatalere Auslegung: Nacktheit wird nur noch mit Sex in Verbindung gebracht, so daß selbst natürliches Nacktsein – beim gemeinsamen Duschen nach dem Sport – “unnatürlich” wird.
Das nur schnell so als Zusammenfassung der Gedanken zu der obigen SHZ-Mitteilung.

Nacktheit und Selbstbewußtsein

Fund bei der “Tirolerin“, einem Mode- und Lifestylemagazin: Einer Studie des Goldsmiths Instituts (Universität London) zufolge wirke sich Nacktheit in Gegenwart anderer positiv auf das eigene Selbstbewußtsein aus. Die Studie basiert auf der Befragung von 850 Erwachsenen durch ein Team unter Leitung von Dr. Keon West. Veröffentlicht wurde die Studie im Journal of Happiness Studies.

Und siehe da, die Studie gibt es auch als PDF-Datei online. Sie trägt den Titel: “Naked and Unashamed: Investigations and Applications of the Effects of Naturist Activities on Body Image, Self-Esteem, and Life Satisfaction”

Ein Neuzugang

kochManchmal, da packt es mich, da muß ich quasi “zuschlagen”, wenn ein Antiquariat ein von mir gesuchtes Buch unter dem üblichen Preis anbietet. Überwindung kostet mich das dann, wenn das Buch trotzdem noch recht teuer ist. So ist es mir jetzt mit “Nacktheit, Körperkultur und Erziehung” von Adolf Koch ergangen, das meist zwischen 70 und 90€ gehandelt wird, aber nun für 60€ in mein Bücherregal gewandert ist. Viel Geld, insbesondere wenn ich überlege, wem ich diese Bibliothek einmal “vermachen” könnte, denn ich kann bei meinen Jungs keine Disposition inhaltlicher Art – und auch was Lesen allgemein angeht – feststellen. Na ja, kommt Zeit, kommt eine Entscheidung. 🙂

Adolf Koch war ein Vorreiter der Freikörperkultur und Nacktgymnastik sozialistischer Prägung, er gab die Zeitschrift “Wir sind nackt und nennen uns Du” heraus. Koch hatte beachtliches Stehvermögen: die Nationalsozialisten schlossen seine Institute, auch weil er sich weigerte, jüdische Mitarbeiter zu entlassen. Nach dem Krieg warb er wieder offensiv für seine Vision einer Körperschulung, bis ihn der Deutsche Verband für Freikörperkultur 1964 ausschloß, dem die Werbung Kochs und seiner Frau Irmgard zu weit ging.

Nacktheit als Widerstand?

Laut der Bietigheimer Zeitung / Südwest-Presse boomt der Nudismus in Frankreich. Ob dem wirklich so ist, mag dahingestellt sein. Nur  weil man in Paris einen Bereich für die Freikörperkultur reservieren will, was vielen Zeitungen eine Meldung wert war, boomt das noch lange nicht. Da klingt wohl eher Paris – Stadt der Liebe – usw. mit.
Andererseits stellt die o.g. Zeitung im Artikel die Vermutung auf, daß Nacktheit für junge Frauen angesichts der Burka-Diskussion ein Akt der Rebellion sein könnte. Man wolle sich nicht vorschreiben lassen, wie man sich zu verhüllen habe – und ließe daher alle Hüllen fallen. Das ist in der Tat eine interessante Sichtweise.

Urlaubsnachlese

Hermann Hesse als Romanfigur
2016-10-24-08-51-55Die Münchner Abendzeitung über die Romane “Immer nach Hause” (Lang) und “Das Sonnenfest” (Prange) – der Monte Verità dabei als “Haupt- und Nebenschauplatz”.

Wenn Dichter baden gehen
Die Schwäbische über Dichter, Meer, Badefreuden, Inspiration

Nacktheit als Ausdruck grenzenloser Freiheit
Die Rheinische Post über Nacktheit in Verbindung mit Nichtstun / Abschalten, aber auch in der Interpretation als Schutzlosigkeit, als Negation der Selbstdarstellung durch Modekleidung.

Touristisch, touristischer, Ascona
Die Tageswoche über die “Hochburg gut situierter Deutschschweizer”, über die Wahl zwischen kostenlosem Bad und solchem mit Eintritt und überhaupt die Veränderungen, die der Ort – letztlich auch durch die Bekanntheit des Monte Verità – durchgemacht hat.

Lebensreform auf dem Zürichberg
Der Google Alert “Lebensreform” verweist auf ein vermutlich neues Projekt, obgleich die Webseite jetzt nicht angezeigt werden kann. Es geht um den Zürichberg als “Ort der Lebensreform”.

Meine erste FKK-Erfahrung war nicht sehr anziehend
Nicht meine Zeitungswelt – und im Grunde nicht empfehlenswert der Artikel. Wenn ich schon die Kategorisierung “Bereich: Erotik, Themen: FKK” lese, würgt es mich. Das Abschlußzitat des Textes: “Ich mag es aber auch nicht, wenn andere Männer auf die nackten Brüste und den entblößten Intimbereich meiner Partnerin starren.”
Kurz und gut: der Autor hätte besser den Schnabel gehalten, als so einen Unfug zu posten.

Sylt: Buhne 16 unter Top Ten der FKK-Strände
… das schreibt die Sylter Rundschau unter Berufung auf das Reiseportal Lastminute.de. Das sei ein “kultiger und medial geprägter Sehnsuchtsort für deutsche Urlauber”.

Das langsame Ende der Freiheit – JUNGE FREIHEIT

Die Junge Freiheit mit einem nachdenklichen Artikel darüber, daß die Ungezwungenheit, mit der die Geschlechter sich bislang in Deutschland auch im FKK-Bereich begegnet sind, verlorengehen könnte.

Der Zuzug aus fremden Kulturkreisen und bildungsfernen Schichten bedroht das bedeutende deutsches Kulturgut FKK, das im Laufe der Lebensreform-Bewegung entstand. Die Beschimpfungen gegen die Freibad-„Schlampen“ treffen unsere Kultur im Prinzip also stärker ins Mark, als eine blutige Attacke in einer McDonalds-Filiale. Ein Kommentar von Claus Wolfschlag.

Quelle: Das langsame Ende der Freiheit – JUNGE FREIHEIT

Naked at Lunch – Sex after Lunch?

Ich habe Mark Haskell Smith’s Ausflug in die Welt der Nudisten (Naked at Lunch) vorgestellt. Natürlich geht er auch auf ein Thema ein, das ich hier im Blog schon angesprochen habe: das Verhältnis von Nacktheit, Erotik und Sexualität. In meinem Beitrag Naturismus und Erotik habe ich herauszuarbeiten versucht, daß beide – die völlige Erotisierung der Nacktheit, wie auch die Enterotisierung – eine Bedeutungsreduktion darstellen (n. Zitat von O. König). Ich ging auf Kleidung ein, die Reize betont und eine erotische Spannung schafft, sprach von der Natürlichkeit der Nacktheit am FKK-Strand, die sexuelle Signale zwar wahrnimmt, sie aber nicht dominieren läßt.  Naked at Lunch – Sex after Lunch? weiterlesen

Naked at Lunch (Buch)

2016-06-20 07.33.06Der Schriftsteller und Journalist Mark Haskell Smith hat sich nach einem investigativen Ausflug in die Welt der Marihuana-Anpflanzer nun zu den Nackten begeben und daraus sein Buch “Naked at Lunch” gemacht, dessen deutscher Untertitel recht platt konstatiert: “Ein Nacktforscher in der Welt der Nudisten” – nun ja, sollte er ins Gorilla-Gehege gehen? (Originaler Untertitel paßt besser: The Adventures of a reluctant Nudist.)

Der “reluctant nudist” ist eigentlich gar keiner, denn auch der “Nacktforscher” wird erst durch dieses konkrete Projekt zu selbigem. Smith betreibt eine Art “embedded journalism”, er geht an die Nudistenfront und berichtet – nackt, was ihm zunächst schwerfällt. Von daher ist gerade der Anfang des Buches dem Thema Nacktheit vor und mit anderen, Ausziehen, Körperformen, Ansprüche an den Körper, dem Einfluß des Alters gewidmet. Generell wechselt das Werk zwischen verschiedenen Formen des Berichts: es gibt Interviews (ausformuliert, nicht klassisch A: …, B: …), Erlebnisberichte des Autors über eigene Erfahrungen, Aufarbeitung und Präsentation historischer Fakten und Entwicklungen.  Naked at Lunch (Buch) weiterlesen

Die WELT und FKK

Die WELT brachte im Sommer 2013 mehrere Artikel zum Thema Nacktheit / Freikörperkultur, die noch online sind:

Nackt in den Klassenkampf
Nacktgymnastik ist die beste Triebsteuerung
Ausziehen gegen die bürgerliche Moral

Nacktheit – ein ästhetisches Problem?

In der Neuen Zürcher Zeitung fand sich ein Artikel von Barbara Höfler über “Die nackte Wahrheit”. Anlaß war der Weltnaturistentag (5.6.16), von Höfler als Weltnaturalistentag bezeichnet. Einleitend fragt die Autorin, warum Nudisten derzeit ein “Imageproblem” hätten, wobei sie die Begriffe Spott und Verachtung als zwei Pole des Umgangs mit Nackten anführt.
Aufmacher des Artikels ist ein Zwischenfall in den Bergen, wo zwei Jäger einen Nacktwanderer u.a. beim Onanieren fotografiert hatten. Frau Höfler leitet ab, daß Nacktwandern trotz der Bemühungen der Naturistenföderation INF nicht “vom Fleck” komme.
Aber das ist möglicherweise auch nur ihre eigene Sichtweise, denn wenn sie bei völliger Nacktheit von “Überbetonung offen präsentierter Geschlechtsteile” spricht, mag da auch ein grundsätzliches Verständnisproblem vorliegen. Nacktheit – ein ästhetisches Problem? weiterlesen