Impressionen von Rügen (2015)

JpegBis 2000 hatte ich die Ostsee quasi nur aus Fähr(hafen)-Perspektive kennengelernt: Saßnitz 1992, eine lange Fahrt durch noch nach DDR aussehenden Landschaften abseits der heutigen A20, danach fuhr ich ab Travemünde nach Schweden.
Dann, in 2000, machte ich zwei Wochen Urlaub auf Rügen. Ganz allein wohnte ich im damals noch eher beschaulichen Sellin in der Wilhelmstraße mit wenigen Metern zu Seebrücke und Strand. Es war ein kalter, sonniger März, in dem ich die Insel erkundete – alle Ecken sozusagen. Vom Mönchgut Zicker im Südosten bis zum Kap Arkona, von Prora und Schaabe bis zur Insel Hiddensee – zwei ausgefüllte Wochen mit langen Wanderungen entlang Meer und Bodden. Impressionen von Rügen (2015) weiterlesen

Als die Nackten an die Ostsee kamen (TV)

In der Reihe “Unsere Geschichte” sendete der NDR am 10.8.11 eine 45minütige Dokumentation über – hauptsächlich – die FKK-Bewegung in der DDR an der Ostsee, allerdings mit kleinen Abstechern zum Motzener See und zum “West-FKK”, das ein wenig blaß und “vereinstümelnd” dargestellt wurde. Der Film lebte v.a. von den plastischen Schilderungen der heute schon etwas älteren Herren, die seinerzeit Prerow unsicher gemacht haben, und natürlich dem 8mm-Filmmaterial.

Prerow, der FKK-Zeltplatz in den Dünen auf dem Darß, wurde besonders erwähnt. Aus den Beschreibungen ergab sich das Bild eines unpolitischen Badelebens v.a. jüngerer Leute: der FKK-Zelturlaub an der Ostsee sei wie das Leben in einer “Kommune” gewesen. Gegen Spanner ging man vehement vor, entriß ihnen die Filme, allerdings filmte man sich selbst, was offenbar toleriert wurde. Sexualität sei öffentlich kein Thema gewesen, was jedoch abends in den Dünen passierte, sei Privatsache gewesen. Ein Protagonist meint, viele Ehen seien Folge eines Kennenlernens am Ostseestrand; ebenso seien viele Kinder in Prerow gezeugt worden.

West-FKK kommt leider nur in Aufnahmen von einem geschlossenen Gelände fern des Meeres vor. Man sieht v.a. ältere Menschen, es wird auf den Nachwuchsmangel hingewiesen. In der direkten Gegenüberstellung wirkt das ein wenig einseitig (so ein wenig “DDR-zwangsnostalgisch”), obgleich ich glaube, daß das von den Machern, Matthias Vogler und Gudrun Brigitta Nöh, nicht unbedingt so beabsichtigt war. Denn daß FKK auch im Osten nicht mehr die Anhängerschaft wie vor 30-40 Jahren hat, ist Fakt.

Unter den seltenen FKK-Dokus im Fernsehen ist dies eine der besseren.

Ostsee: Fernwanderweg E9

Ursprünglich las ich einen Artikel beim FOCUS über den Fernwanderweg E9, den ich aber (jetzt bei der Nachbearbeitung dieses Beitrags) nicht mehr finden kann.

Der Wanderweg führt über 400km zwischen Ahlbeck (Usedom) und Travemünde (Lübeck) “fast ausschließlich am Meer entlang”, hieß es dort. Der E9 als solcher ist allerdings erheblich länger, denn er verbindet die Ostsee mit dem Atlantik, wie man bei den Outdoorseiten nachlesen kann.

hinrichsenWie oft bei solchen Meldungen schaue ich mal beim Buchhändler nach und fand einen Reisebericht von Klaus Hinrichsen, der 500km auf dem E9 gewandert war, Titel: Nicht quatschen, machen. Ich kaufte mir den Titel als Kindle-Ebook und schrieb dazu eine Kurz-Rezension:

“Bei meiner kurzen Beschäftigung mit dem Fernwanderweg E9 im Bereich der Ostseeküste bin ich auf das Buch von Klaus Hinrichsen: Nicht quatschen, machen, Untertitel: Wandern durch Mecklenburg-Vorpommern: Entschleunige dein Leben – Selbstfindung auf dem Ostsee-Wanderweg E9 gestoßen.

Das broschierte Bändchen von Books on Demand hat 100 Seiten – kurz für so eine lange Wanderung. Ich habe die Kindle-Edition gelesen.

Mich wundert hier genauso wie bei Nadja Klingers Alpenüberquerung die “Ahnungslosigkeit”, mit der Menschen sich auf solche Unternehmungen begeben. Da kommt man nicht auf die Idee, die Ausrüstung mal einzutragen, speziell den Rucksack, und schon gar nicht, die Wanderschuhe auf Testwanderungen “blasensicher” einzulaufen. Deshalb geht es auch in Hinrichsens Werk v.a. um das Thema Blasen und die Schmerzen, die ihn (und den Leser) die gesamte Strecke begleiten. Unbegreiflich: gerade, wenn ich plane, ein Buch über so ein Unternehmen zu schreiben, bereite ich mich vor – und das heißt nicht nur Internetrecherche.

Ich würde mit dem Thema Blasen nicht beginnen, wenn es dem Hauptthema, der “Selbstfindung” untergeordnet oder nur ein Randthema wäre. Das ist es m.E. leider nicht. Der Autor beschreibt zu Anfang ein Burn-Out-Problem, das ich gut nachvollziehen kann, so daß die Motivation zum Aufbruch authentisch herüberkommt. Doch dann wird es Etappe für Etappe deutlicher, daß v.a. zwei Dinge erzählt werden: a) die Wegfindung (sinngemäß: links gehe ich in die Dünenstraße, folge der Gabelung rechts, gehe hinab zum Strand, komme in XYZ an) und b) die Schmerzen beim Gehen.
Ganz selten teilt der Autor mit, was er denn tatsächlich den Tag über denkt, was er an Selbstfindung betreibt. Klar, es finden sich Allgemeinplätze wie “alles langsamer angehen”, nicht an die Zukunft denken, im Hier und Jetzt leben usw., aber was er denkt, abwägt, was ihn beschäftigt, das fehlt mir in einem Buch, das explizit mit Selbstfindung / Entschleunigung untertitelt ist. Im übrigen: Wäre ich mit solchen Blasen / Schmerzen diese Strecken abgehumpelt, wäre bei mir gar nichts von “Entschleunigung” angekommen.

Der Autor schreibt nichtsdestotrotz flüssig und mit viel Humor. Man hat einiges zu lachen im Buch, auch wenn das durch die vielen Rechtschreibfehler etwas gemindert wird.

Schneller, als man sich wünscht, ist das Büchlein vorbei. Man muß über diese Kürze reden, denn sie paßt nicht wirklich zum Vorhaben, ein Buch über die Selbstfindung auf einer langen Wanderung zu schreiben. 7 oder 8 Stunden Wanderung lesen sich oft wie ein nüchterner Wanderführer von A nach B. Manchmal habe ich mich gefragt, was der Autor alles in diesen Stunden getan hat, welche Naturstimmungen er erlebt hat usw. Alles in allem bleibt das Buch – vor dem Hintergrund des mit dem Untertitel selbst gesteckten Ziels – hinter meinen Erwartungen zurück. Und dazu kommt noch, daß der Preis (Printversion 12,90, Kindle 9,99) für das Gebotene m.E. deutlich zu hoch ist.

Somit bin ich zwar nicht völlig enttäuscht, aber letztlich enttäuscht am Buch der fehlende Tiefgang.”

FKK in der DDR (Buch)

buch21Das “Sommer Sonne Nackedeis” untertitelte Buch aus dem Eulenspiegel-Verlag (Berlin, 2. A., 2008) will ein Porträt der Freikörperkultur in der ehemaligen DDR geben. Dazu hatte der Herausgeber Thomas Kupfermann auch in der BILD-Zeitung einen Aufruf geschaltet, FKK-Bilder aus der Zeit des Bestehens der DDR für das Buch zur Verfügung zu stellen. Es besteht, wie zu erwarten, aus einer Unmenge von Fotos, die v.a. das Strandleben dokumentieren; die meisten davon sind in schwarzweiß. Die eingestreuten, kurzen Texte thematisieren u.a. das ursprüngliche FKK-Verbot von 1954, das bereits 1956 in der ‘Anordnung zur Regelung des Freibadewesens’ aufgehoben wurde. Weiterhin wird der Zingster Maler Kurt Klamann kurz vorgestellt (Bilder auf zwei Doppelseiten); interessant ist auch die “Mini-Studie” zur FKK von 1966.

Ein solches Buch kommt (zwangsläufig?) nicht ohne ein bißchen “Ostalgie” aus, so nach dem Motto: Früher war alles besser, wir haben uns – trotz ‘real existierendem Sozialismus’ (oder gerade deswegen?) – gut eingerichtet, die prüden Wessis haben uns die FKK versaut. So auch Mathias Wedel in seinem süffisanten Beitrag ‘Das Telegramm’: “Denn was richtige Freiheit ist, das haben wir erst nach der Befreiung von der sozialistischen Urlaubsdiktatur erfahren: 14 Tage Hotelanlage in Tunesien ist fast wie Moabit, nur wärmer und mit Pool.”

Das 160 Seiten umfassende Buch ist ansprechend gestaltet und bietet eine kurzweilige Einführung in das nackte Badeleben im “zweiten deutschen Staat”.
Und nicht vergessen: “Auch die Dauerwelle hielt – dank VEB Chemie, Berlin.”

Saison am Strand (Buch)

buch08Das “Badeleben an Nord- und Ostsee – 200 Jahre” beleuchtet dieser Ausstellungskatalog von 1986 im Sinne eines “reich illustrierten Streifzug(es) durch die Kulturgeschichte der Seebadereise.”
Die Ausstellung fand 1986 im Altonaer Museum in Hamburg vom 16.4. bis 31.8. statt, im Anschluß Mai bis Juli 87 im Hamburger Bahnhof in Berlin.

Mehrere Aufsätze leiten den Katalog ein. Sie behandeln Themen wie “Meerwasser als Medizin” oder “Landschaftsbild im Wandel”. Im Anschluß folgt das ebenfalls von kurzen Texten eingeleitete Register, das den größen Teil des Kataloges ausmacht: In einzelnen Kapiteln – und zu speziellen Stichworten – wird auf alles eingegangen, was mit der Reise zu tun hat, z.B. Reiseausrüstung, Bademoden, aber auch Strandburgenbau. So werden die heute vom Stand verschwundenen Badekarren vorgestellt (Fotos (überwiegend schwarzweiß), Zeichnungen); gleichzeitig erfährt man, wer wann den Strandkorb erfunden hat.
Es fällt auf, daß älteren Exponaten oft Bilder von 1985 gegenübergestellt werden, also aus dem Jahr, in dem die Ausstellung offensichtlich vorbereitet wurde.
“Saison am Strand” ist ein kurzweiliger Katalog zum gelegentlichen Blättern, Schmunzeln, Staunen; er ist antiquarisch erhältlich.