Das sündige Fleisch reloaded (K. Starke)

Gregor Gysi hatte sich bei seinem Sommerloch-Thema “FKK” auch auf den Sexualwissenschaftler Kurt Starke berufen. Der führt nun in einem Artikel für das Neue Deutschland aus, daß es natürlich nicht nur der “Pornoblick” der “Westmänner” sei, der zum Rückgang des nackten Badens geführt habe.

Nacktsein sei an sich nicht erotisch, “Erregung” stelle sich z.B. durch Fantasie ein. Toll der Satz: “Wer FKK als Stripteaseersatz betrachtet, versteht von beidem nichts oder kann Nacktheit nur anmacherisch denken.”

Der nackte Körper werde in der Marktwirtschaft ausgebeutet; Nacktheit werde “tabuisiert und gleichzeitig zur Ware”. Nacktheit werde – in verkürzter Zusammenfassung des lesenswerten Artikels – “quasi-pornographisch”.

Auch spannend: “Indem der nackte Körper in heute typischer Weise sexualisiert wird, wird die alte, religiöse Stigmatisierung des sündigen Fleisches reloadet.”

Alles gibt es hier zu lesen.

Naked at Lunch – Sex after Lunch?

Ich habe Mark Haskell Smith’s Ausflug in die Welt der Nudisten (Naked at Lunch) vorgestellt. Natürlich geht er auch auf ein Thema ein, das ich hier im Blog schon angesprochen habe: das Verhältnis von Nacktheit, Erotik und Sexualität. In meinem Beitrag Naturismus und Erotik habe ich herauszuarbeiten versucht, daß beide – die völlige Erotisierung der Nacktheit, wie auch die Enterotisierung – eine Bedeutungsreduktion darstellen (n. Zitat von O. König). Ich ging auf Kleidung ein, die Reize betont und eine erotische Spannung schafft, sprach von der Natürlichkeit der Nacktheit am FKK-Strand, die sexuelle Signale zwar wahrnimmt, sie aber nicht dominieren läßt.  Naked at Lunch – Sex after Lunch? weiterlesen

Naked at Lunch (Buch)

2016-06-20 07.33.06Der Schriftsteller und Journalist Mark Haskell Smith hat sich nach einem investigativen Ausflug in die Welt der Marihuana-Anpflanzer nun zu den Nackten begeben und daraus sein Buch “Naked at Lunch” gemacht, dessen deutscher Untertitel recht platt konstatiert: “Ein Nacktforscher in der Welt der Nudisten” – nun ja, sollte er ins Gorilla-Gehege gehen? (Originaler Untertitel paßt besser: The Adventures of a reluctant Nudist.)

Der “reluctant nudist” ist eigentlich gar keiner, denn auch der “Nacktforscher” wird erst durch dieses konkrete Projekt zu selbigem. Smith betreibt eine Art “embedded journalism”, er geht an die Nudistenfront und berichtet – nackt, was ihm zunächst schwerfällt. Von daher ist gerade der Anfang des Buches dem Thema Nacktheit vor und mit anderen, Ausziehen, Körperformen, Ansprüche an den Körper, dem Einfluß des Alters gewidmet. Generell wechselt das Werk zwischen verschiedenen Formen des Berichts: es gibt Interviews (ausformuliert, nicht klassisch A: …, B: …), Erlebnisberichte des Autors über eigene Erfahrungen, Aufarbeitung und Präsentation historischer Fakten und Entwicklungen.  Naked at Lunch (Buch) weiterlesen

Nacktheit – ein ästhetisches Problem?

In der Neuen Zürcher Zeitung fand sich ein Artikel von Barbara Höfler über “Die nackte Wahrheit”. Anlaß war der Weltnaturistentag (5.6.16), von Höfler als Weltnaturalistentag bezeichnet. Einleitend fragt die Autorin, warum Nudisten derzeit ein “Imageproblem” hätten, wobei sie die Begriffe Spott und Verachtung als zwei Pole des Umgangs mit Nackten anführt.
Aufmacher des Artikels ist ein Zwischenfall in den Bergen, wo zwei Jäger einen Nacktwanderer u.a. beim Onanieren fotografiert hatten. Frau Höfler leitet ab, daß Nacktwandern trotz der Bemühungen der Naturistenföderation INF nicht “vom Fleck” komme.
Aber das ist möglicherweise auch nur ihre eigene Sichtweise, denn wenn sie bei völliger Nacktheit von “Überbetonung offen präsentierter Geschlechtsteile” spricht, mag da auch ein grundsätzliches Verständnisproblem vorliegen. Nacktheit – ein ästhetisches Problem? weiterlesen

FKK in der DDR

… ist ein Phänomen gewesen, hervorstechend durch die irgendwie systemkritisch wirkende Unangepaßtheit der nackten Körper an den Stränden und Badeseen. Ich hatte kurz das Buch FKK in der DDR vorgestellt.

Beim Berlin-Besuch in der vergangenen Woche sahen wir uns die Gedenkstätte Hohenschönhausen an, das ehemalige MfS-Gefängnis. Im Museumsshop gibt es eine Unmenge an Literatur zu kaufen; ich wählte nur das kleine Bändchen von Ilko-Saschs Kowalczuk: Die 101 wichtigsten Fragen – DDR. Vom anvisierten Leserkreis her soll es einen ersten Einstieg in das System der DDR erlauben und das Interesse an Vertiefung wecken. Ich habe es mir als “Zwischendurch-Lektüre” gekauft.

Der Autor geht ebenfalls auf das Phänomen FKK ein. 1954 von der SED verboten, wurde sie 1956 bereits wieder erlaubt – letztlich waren auch Parteifunktionäre FKK-Anhänger. Zunächst war die Freikörperkultur nur an einem Strandabschnitt bei Arenshoop (Fischland) erlaubt, doch in den 70er und 80er Jahren war sie so verbreitet, daß eher die “Textil-Badenden” sich erklären mußten, so der Autor.

Was war so besonders an der Freikörperkultur im Osten Deutschlands? Hier bietet Kowalczuk folgende Erklärung an: “Fkk ermöglichte in der DDR, was sonst gerade trotz aller Versprechen nicht gegeben war: Gleichheit aller. (…) Die Allgegenwärtigkeit des SED-Staates zerbrach am Strand der Nackten.”

Interessanter aber finde ich diesen Aspekt, den der Autor nur noch kurz anschneidet: Kann es sein, daß FKK so beliebt war, weil es in der DDR keine medial allgegenwärtige Sexualisierung gab? Kann das auch der Grund dafür sein, daß die Freikörperkultur nach 1990 auch im Osten umso mehr an Bedeutung verlor, als das Westsystem dem Land übergestülpt wurde (meine Formulierung)? Ich glaube, da ist etwas dran. Ich werde zu diesem Thema (Fkk, Erotik, Sexualität) bald meinen alten Grundlagenartikel vom alten Blog überarbeitet nach hier übernehmen.

Lustobjekte (Ausstellung)

Ausstellung “Lustobjekte” im Oldenburger Schloß / Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte. Gezeigt werden 16 Buchgrafiken und 6 Mappenwerke aus der grafischen Sammlung des Hauses, die den Umgang der Künstler mit Eros / Sexualität zwischen Mitte des 19. Jahrhunderts und den 1970er Jahren zeigen. Zu sehen ist die Ausstellung vom 16.4. bis 10.7.16.

Valentinstag oder: Naturismus und Erotik revisited

Meine Frau hatte mich zum Valentinstag zu einer “erotischen Lesung” in einem Restaurant mit Vier-Gänge-Menü eingeladen. Der Schauspieler, der den Abend gestaltete, trug zwei Kurzgeschichten und mehrere Lieder vor. Er beklagte sich darüber, wie schwer es sei, erotische Geschichten zu finden: man solle einmal nach “erotische Kurzgeschichte” “gugeln”, dann erhielte man fast ausschließlich pornographische Texte. Die erste Geschichte um das Thema sensorische Deprivation (Augenbinde) als Stimulus – sie war wirklich sehr schön.

Leider hieß die 2. Geschichte “Der FKK-Urlaub” – und ich wußte gleich, was ich zu erwarten hatte, nämlich die übliche Verknüpfung von FKK und Sex, auch wenn, ja, wenn es hier ein bißchen durchdachter war, obgleich der Vortragende zwei Seiten mit eher pornographischen Beschreibungen ausließ, diese aber “zum Nachlesen” später ins Publikum gab.

In Kürze: 5 Paare machen gemeinsam mit Kindern Urlaub in Ungarn am Balaton. Zwei Frauen schneiden das Thema FKK an, da es in der Nähe ein FKK-Gelände gibt. Man setzt sich mit dem Thema auseinander: Oben ohne sonnen ist ja auch vor den anderen Mitreisenden OK, aber “alles ohne”?! (Ich gestehe gerne, daß ich dieses Problem so nie kannte, weil “alles” ist ja nur ein kleiner Teil (oder größerer) des Körpers, nichts besonderes, obgleich so massiv mit Schamgefühlen besetzt.)  Valentinstag oder: Naturismus und Erotik revisited weiterlesen

Naturismus (FKK) und Erotik

[Vorbemerkung, nachträglich eingefügt: Nudismus meint Nacktheit um ihrer selbst willen; Freikörperkultur ist Nudismus mit einem Gemeinschaftsaspekt; Naturismus ist Nacktheit im Verbund mit lebensreformerischen Überzeugungen. Ich spreche hier von Freikörperkultur, meine jedoch im Grunde: Naturismus.]

barfussEin Beitrag im Blog ‘Nackte Freiheit’ (zwischenzeitlich gelöscht) hat mich an die Beendigung dieses begonnenen Textes erinnert. Der besagte Beitrag befaßt sich “eigentlich” nur mit dem Barfußlaufen, jedoch ist das eingefügte Bild (s. rechts) entweder schlecht gewählt oder bewußt plaziert. Es zeigt u.a. auch einen Fuß, aber darauf schaut man(n) natürlich bei der Pose nicht.

Um was geht es bei der Freikörperkultur, wo bleibt die Erotik? Ich habe mir Gedanken gemacht und möchte sie teilen – mit dem bewußten Hinweis, daß es sich ausschließlich um meine nicht verallgemeinerbaren Ansichten handelt. Naturismus (FKK) und Erotik weiterlesen