Tai Chi Chuan – Yang-Stil

Tai Chi Chuan – auch Taijiquan – ist eine östliche Bewegungslehre, die die Brücke schlägt zwischen Kampfsport, Meditation und Gesundheitsförderung. Es wird auch von „weichem“ Kampfsport oder „innerer Kampfsportschule“ gesprochen im Gegensatz zu den harten Kampfstilen wie Kung Fu, Karate usw. Dennoch kann das Tai Chi Chuan auch im Kampf eingesetzt werden und speziell im Osten dominiert auch die Sichtweise auf Tai Chi als einem Faustkampfsport, auch „Faustkampftechnik des langen Lebens“ genannt. Bei der Yang-Familie heißt es dazu: „With external martial arts one must be harder and stronger than their opponent in order to overcome the opponent. Internal martial arts include Tai Chi, Hsing-I, and Bagua. We train to use soft ways to make body soft, follow opponent’s energy. Like cotton – yielding. Inside and outside are coordinated together.“ (Yang Family Tai Chi)
Beim Tai Chi werden die Muskeln entspannt, alle Bewegungen werden flüssig und langsam durchgeführt, daher auch die Bezeichnung „Bewegungsmeditation“. Der Name kommt vom „taijitu“-Symbol, das ist das auch im Westen bekannte „Yin-Yang-Diagramm“. Das passive, empfangende Yin-Prinzip soll durch diese Übungen mit dem aktiven Yang-Prinzip harmonisiert werden. Es geht um den freien, ungehinderten Fluß der „Qi- / Chi“-Energie im Körper. Tai Chi kann mit den Qi-Gong-Atemübungen verbunden werden. Tai Chi Chuan wurde in verschiedenen chinesischen Familienstilen entwickelt, wobei der Chen-Stil der älteste ist, danach kommen Yang, Wu, Wu/Hao, Sun. Gerade im Westen ist jedoch der Stil der Yang-Familie der populärste. Es gibt dabei Soloformen, die nach der Anzahl der Bilder gezählt werden, so z.B. in 80, 85 oder 108 Bildern. Diese Formen werden mit „leeren Händen“ (Freihandformen) oder mit Waffen (Stab, Schwert …) dargestellt. Es gibt auch Übungen für 2 Personen, das sogenannte „pushing hands“ (t’ui shou).

Das Tai Chi Chuan ist eng mit dam Daoismus verknüpft, der sich um Laozis Werk Daodejing (Tao te king) zentriert (hierzu werde ich gel. eine eigene Seite einbauen). Wenn es dort beispielsweise heißt „Das Weiche und Biegsame wird das Harte und Starke besiegen“, dann findet sich das auch als Grundlage des Tai Chi wieder (zit. nach Wikipedia): „Students are taught not to fight or resist an incoming force, but to meet it in softness and ’stick‘ to it, following its motion while remaining in physical contact until the incoming force of attack exhausts itself or can be safely redirected, the result of meeting yang with yin.“
Noch ein Zitat sei hier eingeflochten, weil es sehr schön den Zusammenhang zwischen dem Wasser und daoistischem Denken (und damit auch dem Tai Chi) illustriert:

„To Taoists, the essence of life can be appreciated by observing the flow of water. The word ‚alive‘ (huo) in the Chinese language is composed of the root sign representing ‚water‘ (shui) and the modifying sign representing ‚tongue‘ (she), suggesting that flowing speech is the essence of living. Water, that fluid substance with no shape of its own, is capable of assuming the most intricate shapes of its containers. Any substance with a rigid form becomes prisoner to that form, unable to adopt to changing surroundings. Humans, whose lives are subject to infinite constraints, should attempt to adopt the flexibility of water to accommodate the intricate dimensions of the containers of life. Water, always taking the path of least resistance and most natural flow, seeking rest at the lowest point, preserving a level surface over irregular bottoms, overcoming stubborn obstacles, smoothing rough surfaces and rounding sharp edges of hard materials, provides a Taoist model for an enlightened man’s approach to life’s imperfections. In moderate amounts, water is a life-giving substance. In excessive amounts, it can be cataclysmic and it can drown life. Like water, life reacts violently and becomes destructive when forced. It can be peaceful and good when guided gently.“
[Taoism and Modernity, Henry C K Liu]

Der Yang-Stil wurde von Yang Lu Ch’an (1799-1872) begründet, der ihn von der Chen-Familie gelernt hatte. Populär wurde er v.a. durch das Wirken seines Enkels, Yang Ch’eng Fu (1883-1936). Als Anfänger hat man es sehr schwer, die teils konkurrierenden Dachverbände, Schulen und Lehrer auseinanderzuhalten. So vertritt die International Tai Chi Chuan Asscociation die Auffassung, Yang Ch’eng Fu habe zum Schutz des originalen Familienstils nur eine verkürzte Variante in die Öffentlichkeit gebracht. Dort beruft man sich auf den nach Hongkong ausgewanderten, ältesten Sohn Yang Ch’eng Fus, Yang Shou Chung ((Yang Zhen Ming) 1910-1985), der erstmals den authentischen Stil gelehrt habe. Dessen Meisterschüler, Chu King-hung, führte seinerseits die Tradition weiter und ernannte ebenfalls Meisterschüler, die den von der ITCCA vertretenen Stil authentisch halten sollen. Die ITCCA hat sozusagen das Copyright auf den „authentischen Yang-Stil“. Umgekehrt gründete ein anderer Sohn, Yang Zhen Duo, die International Yang Family Tai Chi Chuan Association, die den Yang-Familienstil jetzt durch Yang Jun in der 6. Generation weiterführt.
Mein Lehrer erklärte, daß er im Prinzip die gleichen Bilder lehre wie die ITCCA, obwohl ein ungeübtes Auge etwas ganz anderes sehen wird. Letztlich sollte man sich auf einen Lehrer konzentrieren und einen Stil komplett lernen. Erst dann sollte man bei anderen Schulen, Verbänden schnuppern, um Unterschiede oder auch andere Stile kennenzulernen.

Ich habe im Herbst 2005 damit begonnen, den Yang-Stil zu lernen: Zählweise mit 85 Bildern (entspricht der anglo-amerikanischen mit 106 Bildern), lange Freihandform (‚Yang Big (bzw. Large) Frame‘). Bis Ende 2006 habe ich ca. 50% der Form gelernt, dann machte ich eine Pause und bin 2011 wieder – beim gleichen Lehrer – eingestiegen.

Tai Chi Chuan – Links, Bücher …

(erwähnte Lehrer / Schulen sind nicht als Empfehlung, sondern als (regionales) Beispiel zu verstehen)
Bödicker, Freya u. Martin: Philosophisches Lesebuch zum Tai Chi Chuan, Band 1; Düsseldorf (Bödicker), 2005
Chengfu, Yang / Swaim, Louis (translat.): The Essence and Applications of Taijiquan: Berkeley, CA (North Atlantic Books), 2005
Proksch, Christa / Lie, Foen Tjoeng: Tai-Ji-Quan Yang-Stil; Hamburg (Kolibri), 2001
Peter’s Taijiquan Homepage
Push-hands.de
Tai Chi Chuan – Schulen d. Yang-Stils (BN, KO)
Tai Chi Chuan AG Lahr mit Basiswissen Taoismus
Tai Chi Forum Deutschland (St. Goar)
Tai Chi Depot
Tai Chi in Berlin
Tai Chi Lebenskunst
Taiji.de mit sehr übersichtlichem Stammbaum wichtiger Personen
Taijiquan.de (TaiChi-Lernen.de)
Taijiquan (Jan Silberstorff)
Taijiquan Classics (Texts, Philosophy, Theory …)
Taijiquan für Einsteiger, Ein Special des Taijiquan & Qigong Journals, 2. Auflage; Hamburg (a & o medianetwork), 2005
Taijiquan-Literatur
Taijiquan & Qigong Journal
Tao Chi
Taoist Tai Chi Gesellschaft
Wikipedia /Category: T’ai_Chi_Ch’uan
Wikipedia Taijiquan
Wu Taichi – Taichi Center Bilk (mit philosophischen Lesebüchern zum Tai Chi, s. Bödicker)
Yang-Stil
Yang-Stil Schulen
Yang Style Internal Martial Arts
Yang Tai Chi Sascha Krystofiak

3 Gedanken zu „Tai Chi Chuan – Yang-Stil“

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